Montag, 23.01.2012

Die letzten 2 Monate...!

Perdón!!! Schon wieder ist jede Menge Zeit seit unserem letzten Eintrag vergangen und es ist viel passiert…wir haben unsere letzten Wochen im Projekt verbracht und sind danach weiter gereist, bis wir letzten Sonntag (15.01.) hier in Buenos Aires angekommen sind.

Nachdem wir von der Rundreise wiedergekommen waren hatten wir ja, wie schon berichtet, eine ziemliche Tiefphase, die mit einigen Tränen anfing und mit langen Gesprächen aufhörte. Zum Glück haben wir uns aus dieser Phase gegenseitig wieder herausgezogen, denn die letzten Wochen im Projekt waren die schönsten und wir sind froh, diese noch erlebt zu haben.

Die Stimmung war die ganze Zeit über sehr locker und entspannt, was unter anderem damit zusammenhing, dass Diego erstaunlich gute Laune hatte und viel Zeit außerhalb des Campamento verbrachte und somit nicht den sonst üblichen Druck und Stress verbreiten konnte. ;-)
Außerdem haben wir jede Menge schönes erlebt in diesen letzten Wochen, was dazu geführt hat, dass sich unsere Beziehung zu den Kindern intensiviert hat und wir doch echt gute Freunde geworden sind. Wir haben uns die ganze Zeit über gut verstanden und hatten viel Spaß.
Zum einen fanden vom 18.11.-08.12. die „Fiestas de Sucúa“ statt, bei welchen die Kantonisierung von Sucúa jährlich gefeiert wird. Zu diesem Anlass gibt es während der 3 Wochen verschiedenste Veranstaltungen im Ort, welche wir größtenteils alle gemeinsam besucht haben. Die Eröffnungsveranstaltung fand auf dem zentralen Platz statt und war für uns ein bisschen langweilig. Es gab ein paar traditionelle Tänze, etwas Musik und die Präsentation die Kandidatinnen für die Wahl der „Reina de Sucúa“ (Miss Sucúa). Schon bei dieser ersten Veranstaltung haben wir festgestellt, dass zumindest die Bewohner dieses Ortes nicht das Temperament haben, wofür die Südamerikanische Bevölkerung ja eigentlich bekannt ist. Alle standen mehr gelangweilt als interessiert herum und Applaus spendeten eventuell noch die Veranstalter selbst. Auch bei den weiteren Veranstaltungen konnten wir dieses Phänomen beobachten, außer beim „Festival de la Risa“ (Lachfestival), bei dem verschiedene Komiker des Landes ihre Witze zum Besten gaben. In diesem Fall blieb dann mir (Elena) das Lachen im Halse stecken, da ich so gut wie nichts verstand. Ein kleines Schmunzeln war dann das höchste der Gefühle während sich die Sucuaner (oder wie auch immer zu nennen) die Bäuche hielten vor lachen.

Während der gesamten Zeit der Festlichkeiten gab es auch eine Kirmes, die es zwar bei weitem nicht mit dem Pützchens Markt aufnehmen kann, aber für die Kinder doch eine tolle Attraktion war und ihnen jede Menge Freiheit bot, da Diego ihnen allen ein bisschen Geld in die Hand drückte und sie in die Massen scheuchte. Diese Freiheit, herumlaufen zu können und zu tun wozu sie Lust haben, fanden die Kinder sichtlich toll und nutzen dies voll und ganz aus. Wir hängten uns an sie dran und schleppten unter anderem Elias, Leticia und Italo aufs Riesenrad. Während Elias und vor allem Leticia schrien wie kleine Kinder und beinahe ihr Abendessen über die Kirmes verteilten blieb Italo total cool und genoss die Fahrt. Mit den kleineren, die sich nicht aufs Riesenrad trauten spielten wir Kicker oder spendierten ihnen kandierte Äpfel.

Am letzten Tag der Feierlichkeiten fand morgens eine große Parade statt, bei der alle Escuelas und Colegios des Cantons eine Gruppe von Schülern und oft auch einen Musikkorps oder Cheerleader mitlaufen ließen. Es war allerdings tatsächlich eine Parade, da alle Schüler in Reih und Glied mehr oder weniger maschierten und ihre Schuluniformen trugen. Zum Schluss kam sogar eine Abordnung einer Militärakademie, bei der 5-jährige Kinder schon in Offiziersuniformen maschierten, und ein Batallion von Soldaten, die mit ihren Maschinengewehren und starren Gesichtern an uns vorbei stampften. Etwas beängstigend wenn man sieht, wie präsent das Militär in diesem Land doch noch ist.



Abends an diesem letzten Tag gab es dann noch ein großes Abschlussfeuerwerk, welches wir leider verpassten, da die Jungs und Diego noch Fußball gucken wollten. Danach durften wir aber dennoch in die Stadt zum Tanzen. Jedenfalls sollte theoretisch getanzt werden. Auf einem großen überdachten Platz gab es Livemusik doch es dauerte ziemlich lange, bis dann doch ein Großteil der Menschen das Tanzbein schwang. Wir standen erst etwas beschämt herum bis irgendwann dann zwei Männer kamen und uns zum tanzen aufforderten. Evas Tanzpartner war ganz nett, doch bei meinem handelte es sich um einen bestimmt 40-jährigen Mann mit Bierbauch, der unglaublich unsympatisch war und der zum Glück bald wieder verschwand. Eigentlich wollten wir unsere Kinder zum Tanzen animieren, da sie zu so etwas normalerweise nie die Gelegenheit haben, doch die hatten sich schnell auf die Kirmes verzogen. Als wir sie holen gehen wollten, trafen wir jedoch Gabriel, der Lust hatte mit uns zu tanzen. Erst suchten wir noch eine Weile nach Italo, damit nicht eine von uns ohne Partner dastehen sollte, doch da wir ihn nicht fanden, holte Gabriel einen Schulfreund und so haben wir die letzte halbe Stunde mit den beiden Jungs versucht, Salsa und Bachata zu tanzen. Es hat echt Spaß gemacht, doch leider wurden wir um 12 dann abgeholt.

Dann gab es da natürlich noch meinen Geburtstag, auf den ich mich erst nicht so wirklich gefreut hatte, da hier die Geburtstage meist nicht besonders beachtet werden. Doch Eva hat dafür gesorgt, dass der Tag trotzdem super schön wurde. Um 5 Uhr ist sie aufgestanden und hat einen super tollen Marmorkuchen mit dick Schokolade drauf gebacken. Außerdem hatte sie eine Karte gebastelt auf der auch alle Kinder eine Kleinigkeit geschrieben hatte. Das war sicher die schönste Geburtstagskarte. Normalerweise sind die Kinder hier nicht so emotional bzw. können ihre Gefühle nicht so äußern, aber in der Karte waren sie dazu in der Lage. Später haben sie mir auch nicht mehr gratuliert, was mich dann aber nicht gestört hat, da ich durch die Karte schon wusste was sie mir wünschten und mitteilen wollten. Nach dem Mittagessen wurde der Kuchen gefuttert und Abends gingen Eva und ich Pizza essen. Das war ihr Geschenk für mich und tat nach 4 Monaten Reis essen einfach gut. Also alles in allem ein schöner Tag!!



An einem Sonntag hatten wir geplant mit den Kindern Plätzchen zu backen, um uns wenigstens ein bisschen die weihnachtliche Stimmung nach Ecuador zu holen. Bei gut 30°C kam diese nämlich die ganze Zeit über nicht wirklich auf, auch wenn Sucúa über und über mit kitschigen Lichterketten behängt war, die eher an eine Kirmes erinnerten. Doch vorher fuhren wir alle zusammen trotz Gewittergrummels ins Freibad. Während die Jungs die wildesten Sprünge machten oder sich beim Fußball austobten, schauten wir ihnen eher zu und versuchten, Jenny ein bisschen schwimmen beizubringen. Diego spendierte jedem eine kleine Tüte Chips und als die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand und es kühl wurde fuhren wir ausgepowert aber glücklich wieder zum Campamento zurück. Dort begann dann die Plätzchenbackaktion, die mit fast 20 Leuten zwar etwas chaotisch verlief, aber trotzdem Spaß machte und leckere Plätzchen hervorbrachte. Da es keine Förmchen gab, hatten Eva und ich am Tag vorher ein paar Figuren aus Pappe ausgeschnitten, um die dann mit Messern herumgeschnitten werden musste. Die drei riesen Bleche machten zwar eine große Dose voll, die aber nach 3 Tagen bis auf den letzten Krümel leer gefuttert war.



Am Wochenende des 10./11. haben wir einen Wanderausflug unternommen. Eigentlich wollten wir zwischen Weihnachten und Silvester den Cotopaxí besteigen und da dieser fast 6000m hoch ist, wollten wir zum Test erstmal noch den Corazón besteigen um zu gucken wie das mit der Höhe so klappt. Wir hatten Diego gefragt, ob wir nicht 2 der Kinder mitnehmen können damit sie mal die richtig hohen Berge kennenlernen können und da er erstaunlicherweise ja gesagt hatte, nahmen wir Elias und Italo mit. In der Nacht zu Samstag fuhren wir also mit dem Bus bis nach Machachi (ca. 3100m, nähe Quito), wo wir dann morgens um ca. 6 Uhr ankamen. Dort war es verdammt kalt im Vergleich zu Sucúas tropischen Temperaturen. Nachdem wir noch eine Kleinigkeit gegessen hatten starteten wir den Aufstieg. Doch schon nach kurzer Zeit stellten wir fest, dass die Wanderung kein Zuckerschlecken werden würde. Die Höhe machte uns zu schaffen und wir kamen ganz schön aus der Puste. Erstaunlicherweise legten Elias und Italo ein ziemlich schnelles Tempo vor mit dem wir nicht gerechnet hatten, da sie ja eigentlich aus dem Regenwald kommen, wo es solche Höhen nicht gibt. Wir hatten also Mühe, den beiden folgen zu können. Doch nach ca. 1,5 Stunden fing Elias an, über Kopfschmerzen zu klagen und kurze Zeit später konnte er nicht mehr weiter. Da auch ich schon echte Schwierigkeiten hatte und wir ihn nicht allein am Weg sitzen lassen konnten, machten wir beide es uns am Wegesrand „gemütlich“ und ruhten uns aus. Währenddessen kämpften sich Eva und Italo bis zum Gipfel auf 4700m hoch. Nachdem Elias und ich gute 4 Stunden gewartet hatten und schon ziemlich sauer waren, kamen die beiden sehr euphorisch aber auch geschafft wieder zu uns. Eva meinte, dass das letzte Stück eine ziemliche Überwindung war und ihr dort oben auch schwindelig war. Da ich auch nur bis zur Hälfte gekommen war, beschlossen wir also einstimmig, den Cotopaxí den erfahreneren Bergsteigern zu überlassen. Schade, da es sicher ein tolles Highlight gewesen wäre, aber sinnvoller so, da wir nur jede Menge Geld ausgegeben hätten und uns die Tour sicher nicht allzu viel Spaß gemacht hätte und wir den Gipfel sicher nicht erreicht hätten.
Um den Tag für Elias und mich nicht ganz unzufriedenstellend zu beenden entschieden wir uns, zum Abendessen noch nach Quito rein zu fahren. Als wir Vanessa (die Sprachlehrerin) fragten, ob sie uns ein günstiges Restaurant empfehlen könnte, lud sie uns spontan zu sich nach Hause ein. Da wir allerdings total ausgehungert waren und ihr nicht die Haare vom Kopf fressen wollten aßen wir vorher doch noch eine Kleinigkeit bei McDonalds und fuhren dann, völlig überteuert da wir als Gringas fragten, mit dem Taxi zu Vanessas Haus. Hätten wir mal besser die Jungs einen niedrigeren Preis aushandeln lassen sollen…Bei Vanessa angekommen gab es ein super leckeres Essen über das wir uns hermachten. Danach quatschten wir mit Vanessa und ihrer Schwester, während sich Elias und Italo im Wohnzimmer auf die Sofas setzen und Fernsehn guckten oder schliefen. Um 22 Uhr fuhr dann auch schon wieder unser Bus Richtung Sucúa. Die Fahrt war für mich eher weniger angenehm, da ich Kopfschmerzen hatte und mir schlecht war. Trotzdem kamen wir gut wieder in Sucúa an. Ein paar Tage danach meldete sich bei mir eine dicke Erkältung, die bis heute nicht wirklich weggegangen ist.



In den zwei Wochen vor Weihnachten haben die Kinder jedes Jahr ihre ersten Examen. In allen Fächern, in denen sie im ersten Trimester nicht eine bestimmte Punktzahl erreicht hatten werden sie gesondert geprüft. Unsere Aufgabe war natürlich, sie bei dem Lernmarathon zu unterstützen. Es war nicht immer einfach. Für manche Fächer ist die Motivation kleiner als für andere und es musste alles seit September wiederholt werden. Mal wieder stellten wir fest, dass das ecuadorianische Schulsystem wirklich nur auf auswendig lernen basiert. Die Kinder lernten ihre Hefte auswendig und packten somit alles in ihr Kurzzeitgedächtnis. Soll heißen, dass sie eigentlich oft gar keine Ahnung von dem haben, was sie lernen. Somit war es auch nicht möglich, beim Abfragen die Fragen umzuformulieren. Auch wenn es nur zwei Wörter vertauscht wurden, waren die Kinder meist völlig verwirrt und dann unfähig, die Frage zu beantworten. Schade, dass so viel von der Lernerei nichts für die Zukunft bringt! Trotzdem haben die Kinder ihre Prüfungen ganz gut überstanden. Meistens kam auf die Frage wie es denn gelaufen ist die Antwort „más o menos“ oder „bien“ („mehr oder weniger“ oder „gut“). Immerhin…
Ein weiteres Ereignis war der Sonntag vor Weihnachten. An diesem Tag gingen wir ein letztes Mal mit in die Kirche, da Jimena uns gebeten hatte, am weihnachtlichen Programm teilzunehmen. An diesem Tag waren sehr viele Kinder in der Kirche und alle führten etwas auf. Es wurde viel gesungen und ein kleines Mimikschauspiel vorgetragen und somit war es kein üblicher Gottesdienst, sondern eine sehr lockere Stimmung. Trotzdem bildete sich bei dem Lied „Noche de Paz“ (Stille Nacht) ein kleiner Kloß im Hals…Eva und ich kamen dem Wunsch von Jimena nach und trugen nocheinmal das Stück „Hallelujah“ vor. Ziemlich erfolgreich wie es wirkte, da wir viel Applaus ernteten. Und das obwohl Eva am Ende ein paar Akkorde verwechselte und ich, meiner Erkältung wegen, die hohen Töne nicht mehr so elegant erwischte. Zum Abschluss bekamen alle Kinder eine Tüte mit Süßigkeiten und einen Ball. Schnell waren die Tüten zur Hälfte leer und die Bälle flogen vor der Kirche durch die Luft.



Nach diesem Kirchentag kam auch schnell unser letzter Tag im Projekt…
An dem Tag gab es das „große“ Weihnachtsbuffet, zu dem alle etwas beigetragen haben. Eva und ich machten Nudelsalat (der recht gut ankam auch wenn er etwas zu viel Knoblauch enthielt) während die anderen Reis, Saft oder das Schwein zubereiteten. Kein so schöner Anblick, wie sie dem Tier die Haare vom Körper gebrannt haben und die Haut durch die Hitze blasen warf. Aber irgendwie auch faszinierend, wie normal das dann doch wieder für die Kinder ist. Wir stellen uns bei Rewe an die Fleischtheke oder greifen bei Aldi in die Kühlregale und würden niemals auf die Idee kommen, unser Weihnachtsschwein selbst zu schlachten und auseinander zu nehmen. Die Kinder hatten Spaß dabei und freuten sich auf das Festmahl statt sich vor dem ganzen zu ekeln. Trotzdem war die Atmosphäre während der Zubereitung des Essens etwas seltsam. Wir hatten das Gefühl, dass wir etwas ausgegrenzt wurden und kaum einer hat mit uns wirklich ein Wort gewechselt. Vermutlich sind sie innerlich schon ein bisschen auf Abstand gegangen um den Abschied nicht so schwer zu machen. Schon Wochen vorher hatten sie immer wieder gesagt, dass sie nicht wollen das wir gehen und je näher das Ende kam, desto trauriger waren sie, wenn sie das sagten. Natürlich freute es uns, zu wissen, dass sie uns vermissen werden. Und wenn es nur um die Kinder ginge, hätten wir auch nicht so ein Problem gehabt, länger zu bleiben.
Das Essen begann mit ein paar kleinen Reden von Diego, Jimena, Luis, Italo und Luz, die uns auch für unsere Zeit und Hilfe im Projekt dankten, und dann machten sich alle über das Essen her…Danach wurden die Geschenke verteilt. Für die Kinder gab es Gutscheine und Süßigkeiten. Es wurde dann auch sofort in den Ort gefahren um die Gutscheine einzulösen. In dieser Zeit quälten wir uns mit packen. Auch wir gaben den Kindern unsere Abschiedsgeschenke, Karten mit ein paar persönlichen Worten und dem Gruppenfoto und einen Amor-Keks. Ich glaube sie freuten sich, auch wenn sie dies wie üblich nicht zeigten.
Abends fand noch ein Abschlussgespräch mit Diego und Jimena statt und danach verabschiedeten wir uns von den Kindern. Die Mädchen vergossen sogar ein paar Tränen aber auch den Jungens viel es nicht unbedingt leicht. Und gerade mir fiel es dann doch auch erstaunlich schwer! Wochenlang hatten wir uns auf diesen letzten Tag gefreut und wo er dann da war, war es so viel schwerer als erwartet. Es ist einfach so normal geworden, jeden Tag mit den Kindern zusammen zu sein, mit ihnen zu arbeiten, bei den Hausaufgaben zu helfen und in der freien Zeit Spaß mit ihnen zu haben. Zu wissen, sie vermutlich nie wieder zu sehen, war irgendwie schlimm und zwei Tage lang ging es mir dann ziemlich schlecht. Vielleicht sind 4 Monate in einem Projekt nicht so lang wie die 12 Monate bei den anderen (Susi, Annika, Karen, Ester), aber sie sind lang genug, das einem Menschen ans Herz wachsen können und man sie vermissen wird.

Noch am Abend ging es über Nacht mit dem Bus nach Quito, wo wir Weihnachten bei Vanessa verbrachten. Es war nicht ganz so spektakulär und schön wie sie es uns versprochen hatte, aber immerhin mussten wir Heiligabend nicht zu zweit in einem Hostel sitzen sondern hatten ein paar nette Menschen um uns. Eigentlich sollte es ein großes Essen geben mit Vanessas Mutter, Nichten und Schwestern, aber dann sind einige von ihnen doch noch zum Essen woanders hingegangen und so waren wir nur noch zu 5. Sehr schade, aber trotzdem gab es ein leckeres Essen, was dann natürlich viel zu viel war. Da wir erst um 12 Uhr nachts aßen, gingen wir danach dann direkt ins Bett.

Am nächsten Tag ging es wieder ein Stück in den Süden, zurück nach Baños. Auf der Rundreise hatte es uns dort so gut gefallen, dass wir noch mal dorthin wollten. Dort machten wir dann, trotz meiner Erkältung, am Tag danach Canyoning. Das bedeutet, dass man sich in Wasserfällen abseilt. Wir sind zuerst mit dem Taxi ein Stück gefahren, dann noch ein Stück gewandert und kamen dann am Eingang des kleinen Canyons an. Dort begann dann die Tour, bei der wir uns insgesamt 5 Wasserfälle abseilten, von denen der höchste sicher 17-20 Meter hoch war. Trotz das wir Neoprenanzüge trugen wurde es sehr schnell sehr kalt, da unsere Gruppe aus 5 Leuten plus Führer bestand und man somit immer warten musste, bis alle unten waren. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht, auch wenn es ab und zu doch auch Überwindung kostete, etwas blind vom Wasser, sich den Abgrund hinuntergleiten zu lassen. Nachdem wir uns zurück im Hostel geduscht und aufgewärmt hatten, gönnten wir uns Abends ein leckeres Essen bei Casa Hood.



Den nächsten Tag verbrachten wir im Bus auf der Fahrt nach Cuenca. Auch dort waren wir zwar schon mal gewesen, aber da die Stadt sehr schön ist und wir die Inka-Ruinen von Ingapirca noch nicht gesehen hatten, kehrten wir auch dorthin noch mal zurück. Die Fahrt zu den Ruinen war recht lang und wir wurden auf dem letzten Stück in einem quasi pärhistorischen Bus durchgeschüttelt. Die Ruinen waren zwar nicht ganz so spektakulär wie wir gedacht hatten, aber trotzdem waren wir beeindruckt, wie perfekt die Inkas vor über 500 Jahren (oder so…?) schon bauen konnten. Besonders der Tempel war toll. In perfekter Ellipsenform und aus großen Steinblöcken, die beinahe nahtlos aufeinandergeschichtet waren. Außerdem schafften wir es eines der Alpakas die zwischen den Mauern grasten zu streicheln, ohne von ihm angespuckt zu werden.
Eigentlich hatten wir vor, Silvester in Ecuadors Silvesterpartyhochburg Montañita zu feiern, aber als wir von den Ruinen wieder zum Hostel zurückgekommen waren, ergab sich bei einem Skypegespräch mit Susi zufällig die Möglichkeit, sie schon früher als geplant zu treffen und mit ihr (und ihren Kollegen/innen aus Lima) zusammen Silvester in Máncora (Nordküste Peru) zu feiern.
Also machten wir uns am nächsten Abend auf die Fahrt dorthin. Ohne Probleme überquerten wir die ecuadorianisch-peruanische Grenze, die man auch landschaftlich nicht übersehen konnte. Während wir in Ecuador stundenlang durch riesengroße Bananen-, Kaffee- und Kakaoplantagen gefahren waren, kamen wir in Peru direkt in die Wüste. Alles staubtrocken, sandfarben und irgendwie tot. Ein paar vertrocknete Bäumchen und Sträucher und ab und zu mal eine kleine Häuseransiedlung waren die einzigen Anzeichen von Leben, bis wir in Máncora ankamen, das wiederum pulsierte vor Leben. Unmassen Menschen, Touristen und aus dem ganzen Land angereiste Peruaner tummelten sich auf den Straßen, zusammen mit den Motortaxis und den riesen Trucks und Bussen, die sich auf der Hauptstraße mit Hupen und Abgaswolken ihren Weg durch den Ort bahnten. Auf den ersten Blick sahen wir, dass es schwierig werden würde, ein günstiges Hostel zu finden, welches auch noch Platz frei hat. Letztendlich mussten wir für eine Nacht umgerechnet knapp 30 Euro bezahlen und waren im Partyhostel schlechthin gelandet. Wir waren totmüde und wollten uns für den nächsten Tag/Abend (Silvester) ausruhen, doch viel Schlaf fanden wir nicht. Unser Zimmer befand sich quasi direkt unter der Tanzfläche und wir mussten uns anschreien um uns „unterhalten“ zu können. Wir nahmen uns vor, für die Silvesternacht kein Hostel zu nehmen, unsere Rucksäcke irgendwo unterzustellen und die Nacht entweder durchzufeiern oder im Notfall am Strand zu schlafen um uns eine weitere so teure Nacht zu sparen. Am Silvestermorgen trafen wir dann Susi und ihre Freunde in ihrem Hostel an, wo wir dann auch direkt unsere Sachen unterstellen konnten. Es war super schön, Susi nach den 4 Monaten wiederzusehen und auch ihre Freunde waren auf Anhieb super nett. Sogar das Hostel, ein sehr gemütliches mit Hängematten und viel Sand, konnte uns für die folgenden Nächte noch ein Zimmer bieten. Perfekt.
Die Silvesternacht war sehr anders als wir es gewohnt waren, aber gerade deshalb so toll! Am Pazifikstrand haben wir mit Bier, Wein und Evas Ukulele ins neue Jahr gefeiert. Ein irgendwie komisches Gefühl, da wir es ja normalerweise gewohnt sind, eingepackt in dicke Jacke, Schal und Mütze das Feuerwerk zu sehen. Wir standen barfuß und bis zu den Knien im Wasser. Vorher gab es sogar noch ein paar Trauben, die wir uns in den Mund stopften. Leider waren es nicht 12 für jeden. Hoffentlich haben wir jetzt kein Pech in 2012 ;-) Nach 0 Uhr sind wir dann noch feiern gegangen. Erst waren wir in einem kleinen Club und haben dort ein bisschen getanzt, doch schnell gefiel uns die Musik nicht mehr so gut und wir haben uns ins Getümmel auf den Straßen gestürzt. Dort haben wir uns treiben lassen bis wir irgendwann vor einer anderen Bar standen und dort dann tanzten. Hier lernten wir dann auch mal die südamerikanische Lebensfreude kennen, denn wirklich alle tanzten zur Salsa- und Reggaetonmusik und hatten Spaß – sicher auch aufgrund des Alkohols. Trotzdem war die Stimmung ausgelassen. Es war wirklich alles voller Menschen und irgendwann hörte der Spaß dann bei einigen auf und es kam zu einer Schlägerei…aus der wir uns natürlich raushielten ;-) Um 5 Uhr bahnten wir uns einen Weg zum Strand um einen ruhigen Ort zum schlafen zu finden. Ich rollte mich auf meinem Schal zusammen, während Eva lieber die Aufpasserrolle übernahm und über uns wachte. Was zwei reizende reichlich betrunkene Herren zum Anlass nahmen sie nacheinander gute 2 Stunden vollzuquatschten. Alles in allem aber eine gelungene Silvesternacht.

Die nächsten Tage in Máncora nutzen wir das super Wetter und verbrachten am Strand und im Meer. Die Wellen waren dauerhaft super hoch (2-3m) und man musste schon sehr standhaft sein oder schnell genug durch die Wellen hindurchtauchen um nicht die Orientierung zu verlieren. Die restliche Zeit lagen wir faul auf unseren Handtüchern und ließen uns von der Sonne braten – wortwörtlich! So nah am Äquator hat die Sonne viel mehr Power, steht senkrecht über einem und man spürt richtig wie sich der Sonnenbrand bildet.

Da war es dann auch gut, als wir alle gemeinsam von Máncora nach Tumbes, der peruanischen Grenzstadt weiterfuhren, denn dort gibt es keinen Strand in der Nähe. Die Stadt ist nicht sehr schön und der bewölkte Himmel machte sie auch nicht gerade reizvoller. Den ersten Tag verbrachten wir in der Stadt und im Hostel, ein eher verschwendeter Tag, aber für den zweiten hatten wir eine Tour in die Mangrovenwälder an der Grenze geplant. Dorthin ging es in einem uralten klapprigen Auto, wir bekamen unsere (eher unnötigen) Schwimmwesten und wurden dann von zwei älteren Herren in Kanus über die Flüsse gerudert. Die Bäume reichten bis ans Wasser und streckten ihre langen Wurzeln hinein. Zwischen den Wurzeln saßen knallrote Krebse die einem mit ihren Scheren zuwinkten. An einer Stelle hielten wir an und konnten auf einem Steg etwas in den „Wald“ hineingehen und durften dort auf den Wurzeln der Bäume herumklettern.



Am 06.01. teilte sich dann unsere große Gruppe aus 9 Leuten in mehrere kleine und wir fuhren zusammen mit Susi, Lea und David zurück nach Ecuador und dort ebenfalls an die Küste. Erst verbrachten wir 3 Tage in Puerto Lopez, wo wir ein super Hostel mit toller lockerer Atmosphäre hatten, in dem wir uns auch jeden Abend in der Küche was leckeres kochen konnten. Es gab Hängematten, Sofas und viel musikalische Menschen, die auf ihren Gitarren die Atmosphäre unterstrichen. Den ersten Tag verbrachten wir am Strand von Puerto Lopez und am zweiten machten wir eine Bootstour. Entlang der beeindruckenden ockerfarbenen Klippen mit türkisem Wasser davor und weißen Stränden fuhren wir etwa 20 Minuten bis zu einer kleinen Insel. Dort wurde der Anker geworfen und wir bekamen Schnorchel und Taucherbrille und konnten dann dort schnorcheln. Zwar sahen wir nicht ganz so viele verschiedene Fische, aber es gab einige sehr bunte und ab und zu waren wir von einem Schwarm umringt. Und wenn man Stück hinuntertauchte konnte man auch ein paar Korallen bestaunen. Danach legten Eva und ich uns auf den Bug des Bootes und ließen uns von der Sonne brutzeln während die anderen noch schnorchelten oder in den Felsen der Insel herumkletterten.



Am nächsten Tag fuhren wir zu Ecuadors wohl bekanntestem Strand „La playa de los Frailes“, der zu einem Nationalpark gehört und deshalb sehr sauber und verhältnismäßig einsam ist. Trotzdem waren wir lange nicht die einzigen, die den weißen Sand in der weitläufigen Bucht genießen wollten. Später gingen wir noch ein Stück zu 3 weiteren Nachbarstränden, bei denen wir jedoch nur Fotos machten, da das Schwimmen dort nicht erlaubt und zu gefährlich ist. Auch dort gab es die ockerfarbenen Felsen, das türkise Wasser und die schäumenden Wellen. Und dann die sich langsam dem Horizont nähernde Sonne – wunderschön und diesmal auch wirklich einsam. Der letzte Strand hatte pechschwarzen Sand. Sehr interessant und schön, erinnerte aber auch ein bisschen an Bilder von Öpesten.



Am Tag danach fuhren wir weiter nach Montañita, dem ecuadorianischen Gegenstück zu Máncora, nur etwas weniger verkehrsreich. Besonders auffallend waren die Argentinier, die sicher 90% der anwesenden Touristen ausmachten. Wir suchten uns für eine Nacht ein Hostel und schlenderten dann durch den Ort und landeten, wie soll es anders sein, am Strand.
An unserem letzten gemeinsamen Abend mit Susi, Lea und David gingen wir feiern. Im Caña Grill spielte eine tolle Band, die eine gute Mischung aus Reggaeton und der uns bekannten Feiermusik zum Besten gaben. Nach einigen Drinks konnten wir uns dort einfach gehen lassen und tanzten bis 4 Uhr morgens ohne Pause. Wir waren sogar die ersten die tanzten und somit die restlichen Anwesenden ermutigten, die Musik doch auch zu nutzen. Ein super letzter Abend!!
Am nächsten Morgen mussten wir uns dann leider für weitere 8 Monate von Susi (und den anderen) verabschieden. Wir wechselten das Hostel und verbrachten dann den Rest des Tages am Strand. Für den nächsten Tag hatten wir uns für einen Surfkurs angemeldet. Ernesto brachte uns während der 2 Stunden erst in der Theorie und dann in der Praxis die ersten Grundlagen des Surfens bei und nach anfänglichen Schwierigkeiten konnten wir schon bald recht stabil auf den Brettern stehen. Gegen Ende wurden uns dann allerdings die Arme schwer und die Erfolge ließen wieder etwas nach. Trotzdem hat es viel Spaß gemacht! Um unsere erlernten Fähigkeiten noch ein bisschen zu testen und auszufeilen, liehen wir uns am nächsten Tag noch mal ein Board und stürzten uns allein in die Wellen. Allerdings wohl eher zur falschen Zeit. Die Wellen waren um einiges höher als am Vortag und ohne die Hilfe von Ernesto waren wir mit dem riesen Brett (sicher 2,5m) alleine ziemlich überfordert.
Unseren letzten Abend in Ecuador wollten wir feiern und so gönnten wir uns abends erst 2 der super billigen und starken Cocktails und kehrten dann in den Caña Grill von vor 3 Tagen zurück. Die gleiche Band spielte und so war die Stimmung ähnlich, wenn auch nicht ganz so gut wie mit den anderen. Da wir diesmal nur zu zweit waren, konnten wir nicht verhindern, dass wir nicht lange allein tanzten. Nach einer Zeit zogen wir uns dann jedoch immer dezent zurück und suchten uns einen anderen Fleck um dort weiterzutanzen – bis das ganze von vorne losging ;-)
An unserem Abreisetag gingen wir noch vor dem Frühstück an den Strand und nahmen ein letztes Abschiedsbad im Pazifik, genossen die Wellen und das salzige Wasser. Um 15 Uhr fuhr unser Bus nach Guayaquil. Auf der Fahrt unterhielten wir uns mit 3 Jungs aus München und aßen am Busterminal dann auch noch was mit ihnen, da unser Flug erst um 22.40 Uhr ging.
Dieser war mehr oder weniger angenehm. Leider gab es kein vegetarisches Essen und kaum Beinfreiheit und neben mir saß eine sehr umfangreiche Frau. Zum ersten Mal in meinem Leben verspürte ich Platzangst, was die 5 Flugstunden nicht gerade verkürzte. Trotzdem kamen wir gut und pünktlich in Buenos Aires an.
Karinas Mutter holte uns ab und wir fuhren mir bereits vertraute Straßen zu ihrem Haus in Belgrano. Es war etwas komisch aber auch schön, nach 2,5 Jahren noch mal hier anzukommen. Alles ist mir irgendwie noch so vertraut obwohl ich damals auch nur 2 Monate hier war.
Seit wir hier sind haben wir schon einige schöne Fleckchen wieder aufgesucht. Wir waren in Recoleta auf der Feria und dem großen Friedhof, beim Präsidentenpalast und in der Einkaufsstraße, im Hafen „Puerto Madero“ und am Plaza Serrano, wo wir ein paar schöne Klamotten abstaubten. Außerdem waren wir an einem Abend mit Karina und ein paar Freundinnen von ihr Pizza essen und an einem anderen waren wir bei Paula (Brittas Austauschpartnerin von vor 2 Jahren) und haben dort dann auch Paloma und ein paar andere bekannte Gesichter (wieder)gesehen. Das war auch schön!!
Wir sind gespannt wie die nächste Zeit noch so wird und was wir noch so erleben. Wir haben geplant, am 1. Februar dann noch mal für eine Woche etwas zu reisen, da 4,5 Wochen in der Stadt doch etwas viel sind. Wir werden dann also für 4 Tage in die Provinz Mendoza fahren und quasi auf dem Rückweg noch 3 Tage in Córdoba verbringen. Wenn man schon mal in diesem tollen Land ist, muss man davon auch noch ein bisschen mehr sehen als nur die Hauptstadt.
Außerdem ist es hier in der Stadt so unglaublich heiß, dass wir auch aus diesem Grund hier raus wollen. Wir hatten zwar seit dem ersten Tag unseres Auslandsaufenthaltes tagsüber sicher eine Durchschnittstemperatur von 30°C, aber hier macht sich die Hitze noch mal ganz anders bemerkbar. Auch wenn wir nichts tun steht uns der Schweiß auf der Stirn und vom Gefühl her wollen wir am liebsten nur faul unter einem der Ventilatoren liegen und pennen. Eine solche Schwüle ist super anstrengend und wir schlafen locker bis 12 Uhr mittags.
Außerdem ist es auch komisch, wieder in einem so westlich-europäischen Land zu sein. Ecuador kann man weder mit Argentinien und erst recht nicht mit Deutschland vergleichen. Schon allein weil dort gut 30% der Bevölkerung noch indigen ist und wir mit unseren hellen Haaren und der hellen Haut natürlich aufgefallen sind wie bunte Hunde. Und auch die doch vergleichsweise weit verbreitete Armut ist hier nicht so anzutreffen. Wo wir im kleinen Sucúa auf so viel verzichten mussten, können wir hier wieder in große Supermärkte gehen und in unendlich vielen Geschäften shoppen und in Cafés Eis essen gehen. Es uns einfach mal wieder richtig gut gehen lassen! Das erste Mal wieder in einem richtigen Supermarkt gewesen zu sein (was alledings noch in Ecuador/Quito war), war ziemlich überwältigend und irgendwie überfordernd bei einer solchen Masse und Auswahl an Lebensmitteln. Auch wenn ihr euch das sicher nicht so vorstellen könnt. Auch die Vorstellung, dass unsere Kinder im Projekt, weiter so ihr Leben leben wie bisher, während wir langsam uns wieder an deutsche Verhältnisse gewöhnen und durch diese riesen Metropole schlendern und Eis essen, ist sehr unreal. Aber ich denke, dass muss man erlebt haben, um sich das so wirklich vorstellen zu können…;-)
Trotzdem wollen wir natürlich so viel wie möglich noch unternehmen um unsere verbleibenden 3,5 Wochen noch so gut wie möglich nutzen zu können. Leider ist alles teurer als ich es in Erinnerung hatte (oder einfach im Vergleich zu Ecuador) und so müssen wir dann sehen, was wir uns noch leisten können und wollen…Hoffentlich noch viel ;-)

Tjaa jetzt habe ich (wir) euch wieder auf den neusten Stand der Dinge gebracht. Es tut uns Leid, dass das so verdammt lange gedauert hat. Wir wollen auch gar nicht groß nach Ausreden suchen (wir hatten einfach keine Zeit oder Motivation), sondern hoffen einfach, dass wir euch dann zum Ende unserer Reise noch ein letztes Mal mit einem Eintrag erfreuen können. Bis dahin ist es ja jetzt nicht mehr allzu lange. Wir freuen uns natürlich auch schon total, euch alle nach so langer Zeit dann wieder zu sehen!! Und alles was wir entbehren mussten, dann endlich wieder zu haben (deutsches ESSEN!!).
Bis dahin wünschen wir euch alles Gute und sagen: Hasta pronto!! =)

Liebste Grüße von Elena und Eva aus Buenos Aires (Argentinien)!


P.S: Leider gibt es keine Bilder von unserem letzten Tag im Projekt, von Weihnachten und von den Incaruinen, da Evas Kamera durch eine unerwartete Welle den Geist aufgegeben hat...

Samstag, 26.11.2011

Rundreise - quer durch Ecuador und wieder zurück nach Sucúa

Nach einer aufregenden und schönen Rundreise sind wir nun für unsere 4 Wochen ins Projekt zurückgekehrt. Hier unser Reisebericht:

Sa, 29.10.:

Nach einer unbequemen Nachtfahrt kamen wir um 6 Uhr morgens im kalten Quito an. Vanessa (Sprachlehrerin) holte uns sichtlich verkatert am Busterminal ab und wir fuhren zum Haus ihrer Mutter. Dort wurden wir mit einem Frühstück aus Pancakes, Obstsalat und Joghurt verwöhnt und ruhten uns danach noch mal bis etwa 12 Uhr etwas aus. Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem Rundgang durch das Stadtviertel, wurden von Vanessas Schwester überwältigend bekocht (im Vergleich zu Sucúas Einseitigkeit) und guckten anschließend einen Film und aßen selbstgemachtes, karamellisiertes Popcorn dazu. Abends fuhren wir mit dem Bus durch ganz Quito zu Vanessas WG, wo wir einige ihrer Freunde kennenlernten. Wir erhofften uns, eine wilde Partynacht zu erleben, aber da alle eher müde waren, fuhren wir mit dem Auto zur Marienfigur auf einem der Berge (Quito ist eingeschlossen von Bergen und liegt selbst auf 2800m) und hatten von dort aus einen tollen Blick über das nächtliche Quito. Danach gingen wir doch noch in eine Bar in einer schönen Altstadtgasse. Vanessa und ihre Freunde machten ordentlich Stimmung und wir tranken eine Art Glühwein, der völlig überteuert war und nicht wirklich schmeckte. Nachdem noch ein wenig zur Livemusik getanzt wurde und auch wir ein bisschen beschämt unsere Hüften kreisen ließen, fuhren wir zum Haus von Vanessas reichem Freund Mauricio, der allein in einem riesen Haus wohnt.

So, 30.10.:

Um 12 Uhr standen wir auf und nahmen ein spätes Frühstück ein. Nachdem wir noch sehr lange gequatscht hatten lud Mauricio uns zu einer kleinen Stadtrundfahrt in seinem dicken Auto ein und so fuhren wir zu den Ruinen von Rumicucho, zum Krater von Pululahua, wo wir wegen starkem Nebel nichts sahen und dann zum Abendessen ins Touristenviertel Mariscal oder auch Gringolandia genannt. Satt und zufrieden fuhren wir zum Haus von Vanessa zurück, sammelten unser Zeug zusammen, verabschiedeten uns von Mutter und Schwester und wurden von Mauricio zu unserem Hotel in der Altstadt gefahren. Dort angekommen kuschelten wir uns in das tolle Bett, ließen uns vom Fernsehn berieseln und warteten auf die Ankunft von Evas Eltern später am Abend.

Mo, 31.10.:

Wir ließen uns zum ersten Mal seit langen wieder ein tolles Frühstück schmecken, welches in Buffetform im Panoramarestaurant des Hotels serviert wurde. Es folgte ein Rundgang durch die Altstadt. Wir besuchten die „Basilika del Voto Nacional“, wo es hoch hinauf auf die beiden Türme ging. Beim Aufstieg ließen wie immer die ecuadorianischen Sicherheitsvorkehrungen sehr zu wünschen übrig ;-) Evas Mutter suchte beim Abstieg Kraft in Kirchenliedern während Elena nach ihr verkramft versuchte ihre Höhenangst zu überspielen. Wir besuchten noch den „Plaza Grande“ mit dem Prasidentenpalast und die von innen komplett vergoldete „Iglesia Compañía de Jesús“ und fuhren dann mit Bussen zum „Mitad del Mundo“ (zur Mitte der Welt), wo sich das Äquatormonument befindet. Nach einem ausführlichen Fotoshooting auf und neben dem Äquator ließen wir uns in einem super interessanten Museum weiterbilden. Dieses Museum befindet sich auf dem wirklichen Äquator, etwa 180m weiter nördlich als die Linie bei dem Monument, welche vor 200 Jahren von Franzosen als Äquator ermittelt wurde. Im Museum machten wir einige sehr interessante Tests, die bewiesen, dass wir uns auf dem Äquator befanden. Unter anderem sollten wir zuerst auf der Nord- und der Südhalbkugel mit geschlossenen Augen und ausgestreckten Armen im Gänsefüsschenschritt über eine imaginäre Linie balancieren. Ohne Probleme war dies möglich. Auf der Äquatorlinie dann gelang es uns nicht, ruhig zu balancieren – wir fühlten uns innerlich sowohl nach Norden als auch nach Süden gezogen und so schwankten wir wie Besoffene über die Linie. Außerdem wurden uns die verschiedenen Kulturen Ecuadors durch Nachbildungen der Wohnhäuser und Erklärungen der Traditionen und Lebensweisen nähergebracht. Zum Abendessen ging es nocheinmal nach Gringolandia und dort genossen wir italienisches Essen.

Di, 01.11.:

Nach dem Frühstück wurde uns der Mietwagen gebracht und um 11 Uhr begannen wir die stressige Fahrt heraus aus Quito durch den dichten Großstadtverkehr. Die Fahrt nach Otavalo, unserem nächsten Reiseziel, ging durch beeindruckende Täler und immer wieder tauchte der schneebedeckte Gipfel des Vulkans Cayambe vor uns auf. Wir legten einen kurzen Stopp bei einem weiteren äquatormonument ein und testeten ein noch einmal unsere Balancierfähigkeiten.  Das Hotel erinnerte an eine koloniale Hacienda. Es hatte nette Zimmer und überall hingen und lagen die typisch otavalenischen Webarbeiten. Es ging sofort auf einen ersten Rundgang durch den Ort über den „Plaza de los Ponchos“ mit seinen weltbekannten äußerst farbenfrohen Web- u. Wolltextilien. Wir versprachen den aufdringlichen Verkäufern, am nächsten Tag mit mehr Zeit wiederzukommen. Anschließend schlenderten wir noch über den Lebensmittelmarkt, der wesentlich mehr Auswahl bot als hier in Sucúa.

Mi, 02.11.:

Nachdem wir uns etwas verfahren hatten kamen wir an der Kraterlagune Cuicocha (Meerscheinchensee) an und starteten die 5-stündige und 12km lange Umwanderung. Die Ausblicke auf den See mit seinen 2 kleinen Inseln und die Berge drumherum waren toll, erinnerten zwischendurch aber auch ein bisschen ans Siebengebirge. Aufgrund der Höhenlage kam man schneller aus der Puste und das gute Wetter sorgte für erhöhte Schweißproduktion. Das letzte Stück schleppten wir uns über eine Staubpiste und völlig erschöpft kamen wir am Auto an. Nach einem kleinen Zwischenstopp beim Ausflugslokal des Sees fuhren wir zum Ledermarkt in Cotacachi, der eigentlich sehr bekannt ist, für uns aber eher enttäuschend war. In den vielen kleinen Geschäften (keine Marktstände!) gab es überwiegend billig aussehende Handtaschen und Ökolatschen. So fuhren geschafft vom Tag zum Hotel zurück und gönnten uns ein leckeres Abendessen im Restaurant „Buena Vista“, ganz nach dem Tagesmotto.

Do, 03.11.:

Shoppingtag! Wir stürzten uns ins Gewühl auf Otavalos Ponchomarkt und tauchten ein in die farbenprächtige Welt aus Ponchos, Mützen, Schals, Decken, Schmuck und Hüten. Aus der geplanten einen Stunde wurden schnell ganze 3, nicht nur weil man von allen Seiten zum kaufen aufgefordert wurde, sondern auch weil Evas Eltern regelmäßig zwischen all den Ständen verloren gingen. Ebenfalls fanden wir Gefallen am handeln und so wurde bei jedem Stück fleißig der Preis gedrückt. Wir alle erstanden einige Textilien aus feinster Alpakawolle und gingen mit leichten Sonnenbrand aber zufrieden zum Hotel zurück. Am Nachmittag fuhren wir in den „Parque del Condor“ wo wir Greifvögel, Eulen und ein riesiges Condorpärchen bestaunten. Wir kamen ins Gespräch mit dem freundlichen holländischen Leiter, der uns einlud, bei ihm ein Praktikum zu absolvieren. Ein sehr verlockendes Angebot! Zum Abschluss gab es noch eine interessante Flugvorstellung bei welcher der Holländer versuchte, die ecuadorianischen Zuschauer zu mehr Umweltbewusstsein aufzufordern, da ohne Umweltschutz der Kondor, das Wappentier Ecuadors, aussterben würde.

Fr, 04.11.:

Nach dem Frühstück starteten wir die Fahrt zu unserem nächsten Reisezeil, der Liana Lodge mitten im Regenwald. Auf der Fahrt legten wir einen Zwischenstopp auf dem Papallactapass auf 4000m Höhe ein, auf dem Elena deutliche Atemprobleme hatte. Also doch ein gutes Stück höher als das Siebengebirge! Durch die Berge und tiefe Täler mit reißenden Flüssen fuhren wir hinunter Richtung Oriente (Regenwaldzone). Auf dieser Strecke wurde mal wieder deutlich, wie vielfältig Ecuador doch ist. Innerhalb von einer Stunde Fahrt stellten wir eine sichtbare Veränderung der Vegetation fest und vor uns dehnten sich die unglaublichen Weiten des Regenwaldes (Selva) bis zum Horizont aus.
An einer Kreuzung war die Wegbeschreibung undeutlich aber das heilige GPS von Evas Vater bestätigte uns die 14 km lange Schotterpiste zu nehmen und so ließen wir uns bereitwillig gute 45 Minuten lang durchschütteln. Beim Parkplatz angekommen wurden wir mit unserem gesamten Gepäck auf ein schmales, langes Kanu geladen und wir fuhren flussabwärts etwa 15 Minuten bis zur Anlegestelle der Lodge. Ein tolles Gefühl und ein erster Eindruck vom Regenwald. Bei der Lodge angekommen bekamen wir eine kleine Einführung von einer deutschen Voluntärin und bezogen danach unsere Cabañas. Diese waren Hütten mit Palmdach die keine Fenster sondern nur Fliegengitter hatten und in denen es keinen Strom sondern nur Kerzen gab. Das Bett und die Wände waren aus Bambus und auf dem „Balkon“ hing eine Hängematte. Wir erkundeten das Gelände der Lodge und stellten fest, dass alle Cabañas einzeln im Wald stehen und über schmale Wege mit dem Hauptgebäude verbunden sind. Im Hauptgebäude sind die Rezeption, die Küche und der Essbereich untergebracht und es ist ähnlich gebaut wie die Cabañas, ebenfalls mit Palmdach, einem Geländer aus Lianen und allem aus Holz gebaut. Außerdem gibt es eine Feuerstelle und einen kleinen Aussichtspunkt, der über dem Wasser gebaut ist. Da die einzigen Bereiche mit Strom die Küche und die Rezeption sind, wurde ebenfalls bei Kerzenlicht und bei Dschungelkonzert zu Abend gegessen. Sehr romantisch! ;-) Auch zum einschlafen lauschten wir den nächtlichen Geräuschen wie dem zirpen der Grillen, dem Zwischtern nachtaktiver Vögel und dem Knacken und Knirschen im Unterholz.

Sa, 05.11.:

Das Frühstück bestand wie immer aus frischem Obst, Saft, Eiern, Brot und Marmelade, doch hier gab es außerdem noch echt leckere Yuca-Pommes dazu. Das erste Mal, dass uns Yuca schmeckte! Nachdem wir uns gestärkt hatten, machten wir eine Urwaldwanderung zum größten Baum des „Selva Viva“ (von der Liana Lodge aufgekaufter und geschützer Teil des Regenwaldes). Auf dem Weg dorthin erklärte uns unser Führer die verschiedensten Pflanzen und ihre Heilweilwirkungen, wie z.B. das Drachenblut, der rote Saft eines Baumes, den man gegen Moskitostiche auf die Haut streicht. Aufgrund der super hohen Luftfeuchtigkeit waren wir schnell völlig durchgeschwitzt, obwohl die Wanderung nicht sonderlich anstrengend war. Sie endete am AmaZOOnico, welcher quasi eine Tierauffangstation ist. Es werden dort Wildtiere hingebracht, die die Umweltpolizei beschlagnahmt hat und es wird dort versucht, diese wieder auszuwildern. Es gibt dort Papageien unterschiedlichster Art, Schildkröten, Wasserschweine, Nabelschweine, Kaimane und vor allem viele Affen. Von den Affen ist ein Großteil halbausgewildert, was heißt, dass sie zum schlafen in die Bäume des „Zoos“ zurückkommen, weil sie dort sicher sind. Grade diese frei in den Bäumen herumturnenden Totenkopf- und Kapuzineräffchen waren natürlich besonders goldig, aber auch alle anderen Tiere waren toll!
Nach dem Mittagessen machten wir eine Tour auf die „Isla de la Anaconda“, auf der wir über die Plantagen einer der dort lebenden Familien geführt wurden. Die dort angebauten Pflanzen (Yuca, Ananas, Zimt, Kaffee, Kakao, Bananen,…) wurden uns gezeigt und im Anschluss durften wir mit einem Blasrohr schießen. Wir alle haben spätestens beim 3. Versuch das Ziel getroffen, was nebenbei bemerkt wohl ziemlich gut ist für Anfänger! Nach dem Inselbesuch wurden wir mit dem Kanu ein Stück flussaufwärts gebracht, von wo wir uns dann in großen Gummireifen den Fluss wieder hinunter treiben ließen. Zwischendurch haben wir kurz angehalten um uns mit einer Liane ins Wasser schwingen zu lassen.

So, 06.11.:

Nach dem Frühstück wurden wir wieder mit unserem ganzen Gepäck per Kanu zum Auto zurückgefahren und von dort fuhren wir weiter zu unserem nächsten Hotel, welches sich jedoch eigentlich nur auf der anderen Flussseite befand. Das Hotel bestand ebenfalls aus verschiedenen Cabañas, die auch nur Fliegengitter und Vorhänge hatten. Bei geschlossenen Vorhängen hatte man das Gefühl, sich in einem Zelt zu befinden. Außerdem gab es auf der Anlage einen Natursteinpool und einen überdachten Feuerstellenplatz mit Hängematten und Liegestühlen und Blick auf den Fluss. Nachdem wir unser Gepäck abgeladen hatten, machten wir einen kleinen Besuch im Ort Misahuallí, der bekannt ist für seine auf dem zentralen Platz frei herumlaufenden Affen. Leider haben wir an diesem ersten Abend keine zu Gesicht bekommen. Dafür ließen wir uns einen gegrillten Maiskolben (kein Zuckermais!), eingepinselt mit Mayonnaise und mit Käse bestreut schmecken. Sehr lecker!!! Im Anschluss fuhren wir in einen kleinen Schmetterlingsgarten. Der sichtlich über Besuch erfreute Leiter erklärte uns viel zu den Eiern und Raupen der Schmetterlinge und danach gingen wir durch das Zelt und konnten dort Schmetterlinge in allen Farben und Größen bestaunen. Große, für Ecuador bekannte schillernd blaue, kleine leuchtend orange und rote und einen fast durchsichtigen mit grünen Rändern. Die meisten hatten wir zwar schon in freier Wildbahn gesehen, aber so konnten wir sie von Nahem betrachten und fleißig fotografieren. Zum Abendessen fuhren wir nach Misahuallí zurück und gingen dort in ein Lokal, welches wohl eigentlich grade schließen wollte. Jedenfalls bekamen wir von einer unfreundlichen und mürrischen Dame die Teller vor die Nase geknallt…Gracias!

Mo, 07.11.:
Bereits um 8.30 Uhr mussten wir in Tena sein, denn von dort startete der Raftingausflug. Mit einem klapprigen Bus, der mit allem Equipement beladen war, wurden wir zum Startpunkt gefahren, wo wir die Instruktionen bekamen und danach eingekleidet wurden. Über unseren Schwimmsachen hatten wir ein Thermoshirt gegen die Kälte (an dem Tag war das Wetter leider nicht so gut wie erhofft), einen Neoprenanzug, eine Regenjacke (die natürlich nichts brachte), eine Schwimmweste und einen äußerst schicken Helm. Mit den Paddeln in der Hand ging es durch dichtes Gestrüpp einen steilen Hang hinunter bis zum Fluss, wo das Boot bereits auf uns wartete. Elena stieg mit leichter Angst ins Boot, da sie vorher noch nie Rafting gemacht hatte. Völlig unbegründet, da der Fluss zwar eine starke Strömung und einige auch recht starke Stromschnellen hatte, doch nie die Gefahr bestand, wirklich ins Wasser zu fallen. Jedoch musste man stark rudern und sich mit den Füßen gut in die Gurte krallen, um von den Wellen nicht doch weggespült zu werden. Auf halber Strecke machten wir Pause und genossen ein super leckeres Mittagessens-Picknick! Innerhalb der 20 Minuten in denen wir aßen, haben auch die Mücken angefangen uns zu fressen. Mit knapp 50 Mückenstichen an den Beinen ging die Fahrt dann weiter. Kurz danach machten wir einen Stopp an einem kleinen „Canyon“, in den wir nur hinein schwimmen konnten. Der indigene Guide fing an auf dem Boden herum zu krabbeln und Steine zu suchen, mit denen er uns dann eine Urwaldbemalung verpasste. Anschließend ging die Fahrt durch weniger turbulente Stromschnellen weiter. Am Nachmittag erreichten wir wieder unser Auto und fuhren zum Hotel zurück, wo wir noch ein wenig im Pool planschten. Wir beide spazierten noch mal in den Ort (mit der Hoffnung, noch einmal einen der Maiskolben ergattern zu können) und hatten das Glück, diesmal die frei herumspringenden Affen beobachten zu können. Sie sind sehr zutraulich und klauten uns beinahe unsere Erdnüsse.

 

Di, 08.11.:

Der Reisebuchführer von Evas Mutter schlug eine angenehme, leichte Route zu den „Cascadas de las Latas“ vor, die wir auch gleich nach dem Frühstück starteten. Am Eingang musste (wie häufig hier in Ecuador) eine Gebühr bezahlt werden und dann wanderten wir einen matschigen Pfad, entlang eines Baches, gut 40 Minuten bergauf. Ein wenig erschöpft aber vor allem durchschwitzt kamen wir am Wasserfall an, der ein wunderschönes Regenwaldambiente bot. Nachdem jeder von uns einmal mit dem Wasserfall abgelichtet wurde, entschieden wir beide uns noch eine kleine Abkühlung von der Wanderung zu nehmen. Also raus aus den Klamotten und im Bikini unter die Wassermassen! Der Wasserfall wurde zu einer sehr harten Rücken- und Kopfmassage, aber letztendlich schlugen wir erfrischt und glücklich den Rückweg ein. Kurz vor dem Ausgang lehnte ein Junge an einem Baum und als wir an ihm vorbei gehen wollten forderte er uns auf einen weitere Gebühr zu bezahlen, da angeblich der Wasserfall seinem Vater gehörte. Wir gingen auf seine Forderung nicht ein, auch wenn wir uns ein wenig eingeschüchtert fühlten, da der Junge mit einem Messer in der Hand herumspielte. Verwundert ließen wir ihn stehen und hofften, dass nicht später irgendwelche Kumpanen des Jungen uns den Weg versperren würden. Die Sorge war unbegründet, denn wir kamen heil wieder am Ausgangspunkt an. Trotzdem war die Begegnung eine unangenehme Erfahrung, nicht nur weil man sich ein wenig bedroht fühlte sondern sich auch schämte als „reicher“, europäischer Tourist der bedenklich armen Bevölkerung nichts geben zu wollen. Es ist und bleibt eine verzwickte Situation.

Die Weiterfahrt führte uns zu den „Cavernas de Jumandy“ (Höhlen von Jumandy) wo wir eine unglaubliche Tour vor uns hatten. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten wurden wir von unserem persönlichen Führer zum Höhleneingang geführt, von wo wir aus im Bikini, Gummistiefeln und Stirnlampe die stockfinstere Höhle betraten. Das Wasser reichte uns teils bis zum Hals und manche Stellen mussten schwimmend überquert werden. Bei den einen stieg die Abenteuerlust, bei den anderen ein wenig die Panik! ;) Wir schlugen einen engen Seitengang ein, um dort Stalaktiten und Stalakmiten in Brokoliform bestaunen zu können. Zudem wies uns der Führer auf den hellbraunen Schlamm in der Höhle hin, den die indigene Bevölkerung für Rituale gebrauchte und als heilsam angesehen wird. Dieser wurde sofort auf Gesicht, Dekoltée und Bauch verteilt. Weiter ging es zu einem kleinen, aber beeindruckenden Wasserfall an dem ebenfalls Rituale vollzogen wurden um z.B. einen Kranken zu heilen. Es gab an dem Wasserfall 3 Löcher im Boden, die unterschiedlich tief (4m, 2m und 1,5m) waren. Zum Beweis sprang der Führer in das erste Loch und tauchte für einige Minuten ab. Als wir schon Sorgen hatten wie wir ohne ihn wieder aus der Höhle rauskommen sollten, kam er mit einer Hand voll Steinen vom Grund des Loches wieder hervor. Danach durften wir die Tiefen der Löcher erkunden und das sehr mineralhaltige Wasser auf unserer Haut spüren. Insgesamt verbrachten wir eine Stunde in der Höhle, aber das ganze Höhlensystem ist bis zu 10km lang und man kann dort Führungen zwischen 8 und 12 Stunden unternehmen. Wir kletterten schließlich wieder ans Tageslicht hinauf und beendeten die Tour mit einem kurzen Fußmarsch zurück zum Auto.

Mi,09.11.:

Bevor es von Mishuallí nach Baños ging, durfte Eva am Frühstückstisch noch Geburtstagsgeschenke auspacken und sich über, von der Fahrt etwas eingedrückten Geburtstagskuchen freuen. Bei der Ankunft am ecoHotel „La casa verde“ nahm uns der Besitzer barfuß und mit verschmutzem T-shirt in Empfang. Der Begriff „eco“ (öko) Hotel machte sich schon am Geruch und an dem Aussehen der Zimmer bemerkbar. Dorthin kommen wir gerne zurück! (Vor allem weil auch das Frühstück frisch zubereitet, gesund und einfach lecker war)

Da der halbe Tag schon vorbei war, entschlossen wir uns nur eine kurze Wanderung zu unternehmen, um Baños mal von oben zu sehen. Nachdem wir eine Stunde bergauf gelaufen waren und einen ersten Ausblick auf die Stadt hatten, führte uns der Weg weiter hinauf. Irgendwann fragten wir uns dann doch mal wann denn, laut Karte, der nächste Zwischenstopp kommen sollte, denn die Steigung nahm kein Ende. Also durfte Elena als Dolmetscher herhalten und einen netten Ecuadorianer nach dem Weg zurück ins Tal fragen. Der Mann zeigte zuerst in alle möglichen Himmelsrichtungen, sah in unsere verwirrten Gesichter und meinte schließlich, dass wir ihm doch einfach folgen sollten. So langsam verschwand auch die Sonne hinter den Bergen und bis wir wieder in die Stadt hinab stiefelten, war es dunkel geworden. Die laut Reiseführer 2-stündige Wanderung hatte uns dann doch um die 4 Stunden gekostet. Dafür wurden wir aber mit einem romantischen Blick auf das nächtlich erleuchtete Baños entlohnt. Ein gelungener Geburtstag!

Do, 10.11.:

An diesem Tag hatten wir uns vorgenommen eine Tageswanderung zum Vulkan Tungurahua zu unternehmen. Mit dem Auto fuhren wir den schlecht beschilderten Strassen nach, nahmen eine Ruckelpiste bis wir irgendwann vor einer Kuhherde standen. Mit Hupen und Rufen versuchten wir die Tiere fort zu scheuchen, aber diese ließen sich nicht stören und trotteten gemütlich vor unserem Wagen her. Als wir immer noch nicht den Ausgangspunkt von der Wanderung gefunden hatten und in einem Schneckentempo hinter den Kühen herschlichen, kehrten wir um. Per Zufall fanden wir dann doch den Ausgangspunkt, der sich als zerfallenes Gebäude heraus stellte und seit 50 Jahren wohl nicht mehr in Betrieb ist. Einige Touristen die wir auch dort antrafen, rieten uns von der Wanderung ab, da man wegen der Gewitterwolken nicht viel sehen konnte. Ein wenig entnervt fuhren wir also wieder zurück in die Stadt. Da wir den Tag aber nicht mit Rumhängen ausklingen wollten, machten wir noch eine kleine Wanderung, mit tollen Ausblicken auf die Schluchten von Baños und dem Schneegipfel von Tungurahua, der sich allerdings nur selten zeigte.

Fr, 11.11.:

Alaaf! Wir starteten den jecken Tag mit einer Wanderung entlang des ehemaligen Schmugglerpfades „Sendero de los Contrabandistas“ wobei uns die Sonne auf den Nacken knallte und die Schweißtropfen nur so rieselten. Immer wieder erhaschten wir tolle Blicke auf den Río Pastaza und seine tosenden Wasserfälle tief unter uns. Am Ende dieser anstrengenden Wanderung erfrischten wir uns noch mit einem fruchtigen Jugo (Saft), den uns ein überaus freundlicher Besitzer einer kleinen, gemütlichen Lodge anbot. Schließlich mussten wir um auf die andere Seite zu kommen, den Fluss überqueren und dazu gab es nur eine Möglichkeit: Eine winzige, schaukelige Seilbahn (Tarabita) zu nehmen und in einer Höhe von gut 200m über den Fluss zu sausen. Manche waren von dieser Fahrt nicht sonderlich begeistert und umso glücklicher auf der anderen Seite wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. :)

Da die Glieder am Abend schmerzten fuhren wir zu einem Spa-Resort um uns dort ein wenig entspannen zu können. Während Evas Eltern eine Massage genossen, wählten wir beide die Ganzkörper Schlammkur und deckten uns von oben bis unten in dem warmen Lehm ein. Danach hieß es aber nicht hinsetzen und zu esoterischer Musik relaxen, nö, die Angestellte machte den Fernseher an und forderte uns auf den nach 80er klingenden Musikvideos nachzutanzen. Also hüpften wir ein bisschen blöde herum wobei sich die junge Frau auch ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Schließlich durften wir den mittlerweile angetrockneten Schlamm wieder abduschen und gingen ein wenig belustigt von dieser seltsamen Schönheitskur zurück zum Hotel.

Sa, 12.11:

Der Tag begann actionreich in dem Eva und ihr Vater eine 300m lange Schlucht an einem Drahtseil überquerten. Für jeden der schon einmal in einem Kletterpark war, ist vielleicht das Wort „Ziplining“ ein Begriff, denn hierbei wird man mit einer Schlaufe und einem Metallring an das Drahtseil gehängt und schießt anschließend über die Schlucht ans andere Ende des Seiles. Ein Wahnsinnsgefühl! Aber auch ein Wahnsinnspreis!
Wir verließen Baños und machten uns auf den Weg nach Cuenca. Auf der Fahrt begleiteten uns die kahlen, aber beeindruckenden Berge der Anden und eine dichte Nebelschicht versperrte uns für lange Zeit die Sicht auf die Strasse, so dass es nur langsam voran ging.
Bei der Ankunft in Cuenca stellte sich schnell heraus, dass es sich bei dieser Stadt um ein völlig anderes Ecuador handelt, als das wir bisher gesehen hatten. Die Gebäude sind im spanischen Kolonialstil erbaut und es finden sich nur außerhalb der Stadt die typischen unverputzten Häuser der Ecuadorianer vor. Die Altstadt erinnerte auch leicht an die Einkaufsstrasse in Bonn. Ein kleines Heimatgefühl kam da auf! :)
Im Hotel angekommen quetschten wir uns in ein kleines 4er Zimmer und aßen in einer, von deutschen Besitzern geführten Bar, zu Abend.

So, 13.11.:

Wir machten uns auf den Weg in das Stadtzentrum von Cuenca, wo wir eine Kathedrale besichtigten in der per Zufall die Gemeinde ein spanisches Lied sang, das auch bei unserer Zeugnisvergabe von den Lehrern vorgetragen wurde. (Elena erkannte das Lied nach dem ersten Ton und fiel in eine sentimentale Stimmung während Eva davon ausging, das es sich um ein x-beliebiges Kirchenlied handelte…)

Draußen stand mittlerweile die Mittagssonne an ihrem höchsten Punkt und wir gönnten uns nach der Besichtigung ein leckeres Eis. Die weitere Planung sah eigentlich so aus, dass wir mit dem Bus zu den Ruinen von Ingapirca (die letzten großen Inkaruinen in Ecuador) fahren sollten, aber am Busterminal angekommen wurden wir mal wieder von dem ecuadorianischen Transportsystem enttäuscht. Man sagte uns im Reisebüro, dass die Fahrt zu den Ruinen nur gute 45 Minuten dauern würde, aber am Busterminal hieß es plötzlich 2 Stunden Fahrt. Leider war es schon zu spät um diese Fahrt noch antreten zu können und Evas Vater wollte die weite Strecke nicht mit dem Auto fahren. Somit lief man mit schlechter Laune zurück zum Hotel, weil vor allem Evas Mutter, als begeisterter Archäologenfan, diese Ruinenstadt gerne besichtigt hätte. Wir unternahmen aber dann noch einen kurzen Spaziergang um eine Lagune, die eher an einen großen Weiher erinnerte. Immer wieder sind wir überrascht von Ecuadors landschaftlicher Vielfältigkeit!

Mo, 14.11.:

Unsere Reise neigte sich langsam dem Ende zu, aber bevor es wieder nach Sucúa zurück ging, statteten wir der kleinen Stadt Vilcabamba (im Süden von Ecuador) noch einen Besuch ab. Circa 6 Stunden fuhren von Cuenca aus bis zu der Hostería „Izkayluma“, die wirklich jedem zu empfehlen ist. Eine bunte Gartenanlage umgibt die Cabañas und beim Essen hat man einen Panoramablick auf die umliegenden Berge. Hier trafen wir zwar nur Ausländer an, aber die Atmosphäre war umso heiterer, man kam mit den Leuten schnell ins Gespräch und hörte somit die unterschiedlichsten Abenteuergeschichten.

Di, 15.11.:

Am Vortag hatten Elena, Eva und ihr Vater sich bei einem Reitausflug angemeldet und so ging es um 10 Uhr morgens, auf der Ladefläche eines Taxis, zum Ausgangspunkt der 4-stündigen Tour. Man bekam noch einen schnieken Cowboyhut aufgesetzt, damit das Reitspektakel auch gleich viel professioneller aussehen sollte und traf dann auf die Bekanntschaft seines Pferdes. Bosque (Wald), Tequila (braucht wohl keine Übersetzung) und Aventorero (Abenteurer) wurden uns zugeteilt und mehr oder weniger elegant schwingen wir uns auf die Sättel. Im leichten Trab ging es zuerst die Straßen entlang, wobei uns schon nach kurzer Zeit klar wurde, dass wir mit einem gescheuerten Hintern ins Hotel zurück kehren würden. Während Evas Vater Mühe hatte mit der einen Hand die Zügel festzuhalten und mit der anderen wackelige Fotos zu schießen, hüpfte Elena schmerzvoll auf ihrem Sattel auf und ab und Eva hing sowieso schon halb mit Kopf auf dem Boden. Eine unbequeme, aber trotzdem sehr lustige, erste Reiterfahrung. Wir nahmen nach einer halben Stunde eine Abzweigung in den Wald und von dort aus ging ein schmaler, steiniger Pfad bergauf. Die Pferde kletterten tapfer über das Geröll und wir hielten uns verkrampft am Sattel fest um nicht herunter zu fallen. Abgesehen von den Schmerzen im Rücken und Po, konnten wir die unglaubliche Aussicht auf Vilcabambas Bergkette genießen. An einem Wasserfall machten wir halten, ließen die Pferde grasen und entspannten die steifen Muskeln. Der Rückweg war der gleiche, allerdings ging es jetzt bergrunter. Des einen oder anderen Males rutschte ein Pferd auf dem unebenen Boden aus und rammte fast in das Hinterteil des Vorderen. Zurück auf der Strasse scheuchte unser Cowboyguide die Pferde auf, sodass wir im wilden Galopp hin und her geschüttelt wurden. Ehrlich, Respekt an alle Reiter die sich diese Schmerzen täglich antun…

Am Nachmittag waren wir wieder im Hotel und zum offiziellen Abschluss der Reise gönnten wir beide uns noch unsere erste Ganzkörpermassage. (Vor allem weil sich seltsame Knubbel auf der Haut, nach dem Reitausflug gebildet hatten…) Zu der Massage lässt sich eigentlich nur sagen: Schön wenn der Schmerz nachlässt. Die beiden Frauen kneteten uns durch wie einen italienischen Pizzateig und drückten besonders lange auf die Stellen, die weh taten. Zwar bot das Öl auf der Haut und das beruhigende Meerrauschen aus dem CD-Player ein angenehmes Ambiente, aber als die gute Dame an Evas Füßen kitzelte, konnte sie das Lachen nicht zurück halten. Ein wenig peinlich berührt verließen wir das Massagehäuschen und beschlossen die nächste Körpermassage auf sich warten zu lassen.

Mi, 16.11.:

Früh verließen wir die Hostería in Vilcabamba und machten uns auf die 9-stündige Fahrt zurück nach Sucúa. Wir erreichten das Projekt im Dunkeln und wurden von den Kindern etwas verhalten aber doch freundlich begrüßt. Evas Eltern machten Bekanntschaft mit dem, von uns „hoch gelobten“ Essen und fuhren noch kurz in die Stadtmitte um sich nach der anstrengenden Fahrt noch ein kühles Getränk zu gönnnen.

 

Der erste Tag zurück in Sucúa fing eher weniger fröhlich an, da wir uns von Evas Eltern verabschieden mussten und das besonders für Eva etwas tränenreich verlief. Die Gewissheit, dass selbst nach dem Urlaub die Motivation für das Projekt noch weiter gesunken war, knallte mit einer heftigen Wucht auf uns. Trotzdem versprachen wir uns nach einer langen Unterhaltung jetzt bloß nicht aufzugeben und zu resignieren.

Leider kam hinzu, dass der Sozialarbeiter Rafael, der eigentlich immer versucht hat zwischen Diego und den Volontären zu vermitteln, wohl keinen Nerv mehr für Diegos impulsive und „tyrannische“ Art hatte und somit das Projekt verlassen hat. So etwas baut natürlich nicht sonderlich auf, aber wir haben uns entschlossen diese Arbeit hier zu vollenden und selbst wenn wir mit einem negativen Bild das Projekt verlassen, so wissen wir wenigstens, dass wir den Kindern helfen konnten und ihnen mit Aktivitäten und Spielen ein wenig Freude bereitet haben.

 

In der letzten Woche (17. – 25.) ist noch viel passiert, aber wir werden uns kurz halten, da sich dieser Blogeintrag sowieso schon in unendliche Weiten zieht.

Evas Vorschlag ein Theaterstück mit den Kindern aufzuführen stieß bei den Kindern zu Anfang auf Motivation und Freude, aber wie sich heraus stellte, hatten doch einige Jungs keine Lust mitzuwirken. Nun sind die Kinder hier ja etwas zurückhaltender und trauten sich nicht dies Eva ins Gesicht zu sagen. Stattdessen ließen sie uns zur vereinbarten Uhrzeit sitzen und mussten sich anschließend eine Standpauke von Diego anhören. Zur Strafe (so erklärte er uns, dass die Kinder Respekt lernen müssen und sich an Vereinbarungen halten sollen) mussten die betroffenen Kinder 2 Stunden länger auf dem Gelände arbeiten. Ungerecht? Wir können es nicht genau sagen, denn schließlich war Eva schon enttäuscht von ihrer Unehrlichkeit, aber dafür 2 Stunden mehr in der Sonne zu schwitzen…? Fragwürdig.

Anderes Land, andere Sitten oder wie heißt es doch so schön?

Zwei neue Volontärinnen kamen zu Anfang der Woche ins Projekt, aber bei ihnen stellte sich wohl auch schnell heraus, dass Programa Chaka wohl nicht ganz das wahre ist. So durften wir kurze Bekanntschaft mit zwei sehr netten und offenen Mädchen (22 und 23) machen, die aber dann nach dem 5. Tag wieder abreisten. Die beiden mussten für ihren Aufenthalt hier bezahlen und wenn man etwas anderes vortrifft, als in der Beschreibung des Projekts angegeben, hat man gute Gründe hier nicht bleiben zu wollen. Schade, denn sie waren eine gute Hausaufgabenhilfe und gaben besonders den älteren Jugendlichen viele Motivationsschübe.

Hiermit beenden wir jetzt diesen überlangen Eintrag und hoffen, dass sich alle bis zum Ende durchschlagen konnten. Elena kränkelt etwas, aber sonst geht es uns gut und wir sind zum ersten Mal motiviert die letzten Wochen im Projekt anzutreten.

Bis bald,

Eure Abenteurer Elena und Eva

Donnerstag, 27.10.2011

¿Yo hablo Español y tu?

Es gibt Neues aus dem fernen Lande.

Nun, das Versprechen, dass wir in Zukunft regelmäßiger und öfter schreiben haben wir wohl nicht eingehalten, aber ganz ehrlich: In den letzten Wochen ist einfach nicht so viel passiert, als das es unbedingt erwähnenswert wäre. Jetzt aber mal zu den neuesten Ereignissen.

 

Das Leben hier hat sich nach fast 2 Monaten nicht großartig verändert. Es kommt uns vor als wären wir schon länger als 9 Wochen im Projekt, da sich jeder Tag wie der andere anfühlt. Langweilig ist uns zwar nie, aber hier richtet sich der Tag nun mal nach den Kindern und somit gibt es einen festen Ablauf und nicht viel Spielraum. Trotzdem gab es ein paar Veränderungen. 6 Kinder haben innerhalb der letzten 2 Wochen das Projekt verlassen. Die ersten 2 sollten eigentlich nach 2 tägiger Reise zu ihren Familien wiederkommen, aber eine Mutter der beiden rief an und machte Diego am Telefon klar, dass dies wohl nicht passieren würde. So gesehen hatten sich 2 „heimlich“ abgekuppelt. Möglicherweise stimmte dieses Ereignis andere Kinder nachdenklich, denn kaum eine Woche später äußerten 3 weitere, dass sie gerne zu ihren Familien zurück kehren möchten. Nach vielen Diskussionen und Überredensversuchen entschlossen sich ein Geschwisterpaar (ein Junge und ein Mädchen) ebenfalls das Campamento zu verlassen. Somit waren es insgesamt nur noch 16 Kinder. Anscheinend bewirkte dies etwas in Diegos Denkweise und seiner Behandlung gegenüber den Kindern. Es wurden 2 Tage in der Woche zum Arbeiten gestrichen, was heisst, dass die Kinder Dienstags und Donnerstags nun nach den Hausaufgaben Freizeit haben. Ebenfalls sollen wir nun einmal in der Woche einen Spielabend durchführen, wobei uns überlassen ist was wir mit den Kindern machen. Das ist natürlich schöner für die Kinder, aber wir fragen uns ob Diego durch diese neuen Regelungen ein entspannteres Umfeld für die Kinder aufbauen will und wie lange das anhalten wird.

Vor zwei Woche entschlossen wir uns dazu ein Partnerprojekt von Programa Chaka zu besuchen. Die Projektleiter waren vor einiger Zeit hier um Diego zu besuchen und eine Voluntärin, die hier Sprachunterricht hatte, abzuholen. Wir fragten also das deutsche Ehepaar, das das Projekt in Pujili (6 Stunden entfernt) organisiert, ob es möglich wäre für ein paar Tage vorbei zu kommen und sich mal ein Bild von einem anderen sozialen Projekt zu machen. Das sehr freundliche Ehepaar hatte nichts dagegen und so fuhren wir einer Woche später dorthin. Die Reise im Autobus wurde mal wieder von Bananenchipsverkäuferinnen und billigen Actionfilmen begleitet. Jaja, nur so erlebt man Ecuador hautnah…

Nach 6-stündiger Busfahrt kamen wir in Latacunga an, wo wir eigentlich einen Anschlussbus nach Pujili nehmen wollten. Allerdings rief der sehr schlecht gelaunte Schaffner nicht die Haltestelle aus und auch nachdem wir ihn fragten, wo denn der Busterminal sei, gab er uns keine deutliche Antwort. Also blieb uns nicht anderes übrig als bei einer Tankstelle auszusteigen und dort nachzufragen. Man zeigte uns die Richtung aus der wir gekommen waren, was bedeutete, dass wir ein gutes Stück auf einer voll befahrenen Strasse wieder zurück laufen konnten. Was die Sache ein wenig erträglicher machte, war der erste unglaubliche Ausblick auf den Vulkan Cotopaxi. Hinter der hochmodernen Tankstelle ragte der schneebedeckte, 5,897m große Berg hervor. Großartig!

Nach gut 10min Laufen entschlossen wir uns, auch wegen der schnell aufkommenden Dunkelheit, ein Taxi zum Busterminal zu nehmen. Mit 1,50$ weniger in der Geldbörse kamen wir am Terminal an und fanden auch fast sofort den Anschlussbus nach Pujili.

Mittlerweile war es schon dunkel geworden, aber bei der Ankunft am Zielort mussten wir nicht lange warten, denn die Leiterin (Anke) des Projektes holte uns mit ihrem Pick up am Busbahnhof ab. Der Höhenunterschied machte sich durch die kühle Abendluft bemerkbar, aber auch an den Gesichtern der Einheimischen konnte man erkennnen, dass man sich in einer anderen Region Ecuadors aufhielt.

Beim Gelände angekommen wurden wir nicht nur sehr freundlich von anderen Voluntären und dem Projektleiter (Michael) begrüsst, sondern auch die Kinder (vor allem die Mädchen) waren sehr offen und redeten in Englisch auf uns ein, was wir von den Kindern aus Sucúa gar nicht kannten, da sie uns zu Anfang eher schüchtern gegenüber traten. Uns wurden auch gleich Brötchen geschmiert und Haferschleim spendiert, so dass wir uns sehr willkommen geheißen fühlten. Bei der anschließenden kleinen Andacht, stellte sich schnell heraus, dass dort eine andere Mentalität herrscht. Wir empfanden den Umgang mit den Kindern als sehr locker und offen und auch die Kinder selbst benahmen sich ausgelassener. Später, als die Kinder in ihre Betten geschickt wurden, setzen wir uns noch für ein Weilchen mit einem ungezuckerten Tee (endlich!) in Anke und Micheal’s kleine Stube/Hardcore-Küche. Dort wurden wir noch einmal über die Organsiation und das System in ihrem Projekt aufgeklärt. Ganz anders als in Sucúa, haben jeweils die Jungen und die Mädchen (es sind insgesamt 21 Jugendliche) eine Hausmutter, zwei Erzieher und eine Sozialarbeiterin. Die Jugendlichen müssen zwar nicht auf dem Feld arbeiten, aber dafür hat jeder bestimmte Aufgaben, wie z.B. das Bad sauber zu machen, den Hof zu fegen oder den Tisch zu decken.

Die Nacht war etwas hart und kühl, aber am nächsten Morgen durften wir uns an einem langersehnten „deutschen“ Frühstückstisch bedienen. Gleich danach machten wir uns an die Arbeit, das kleine Zimmer in dem wir geschlafen hatten, zu streichen. In einem quietschgrün und babyrosa pinselten wir die Wände an. Kurz darauf kamen schon die Kinder aus der Schule zum Mittagessen. Das bestand auch, wie gewöhnlich in Ecuador, aus Reis und Gemüse. Am Nachmittag erledigten die Kinder dann ihre Hausaufgaben, wobei wir nicht viel tun konnten und nur etwas verlegen am Tisch saßen.  Zum Abendessen fuhren wir zum Haus der Mädchen, da diese nicht mit auf dem Gelände wohnen. Von dort aus hatten wir noch einmal einen schönen Ausblick auf den Cotopaxi. Der Abend wurde mit Kartenspielen und Unterhaltungen verbracht, bis wir von Anke abgeholt wurden.

Der nächste Tag verlief ähnlich. Wir gingen noch nach Pujili rein, schauten uns den Obst- und Gemüsemarkt an (der dort größer und vielseitiger war als in Sucúa) und bestiegen eine steile, 593-stufige Treppe. Dort machte sich die Unsportlichkeit auf ca. 3000m bemerkbar, denn schon nach der 20. Treppenstufe hing uns die Zunge bis auf den Boden. Trotzdem stiegen wir tapfer bis nach oben und konnten am Ende ganz Pujili, von Bergen umringt, betrachten.

Die nächste Nacht wurde zum Horrorspektakel, da wir uns zusammen auf eine kleine Kindermatratze quetschten und beide von Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen gequält wurden. Deswegen entschlossen wir uns einen Tag früher abzureisen und zurück ins wärmere Sucúa zu fahren. Anscheinend hatten wir uns irgendwas in Pujili eingefangen, denn zurück im Projekt lag Eva am nächsten Tag flach und einen Tag drauf verbrachte auch Elena die meiste Zeit krank im Bett.

Beim Abendessen an unserem Rückkehrtag wurden wir außerdem informiert, dass noch ein Junge nach Hause gefahren war.  Von den Anfangs 20 Kindern waren also nur noch 15 übrig…

Und es wurden noch weniger. Vor ein paar Tagen äußerte einer der älteren Jungen, dass er hier nicht mehr bleiben möchte und so stahl er sich Samstagsmorgens, kurz vor Sonnenaufgang unbemerkt aus dem Haus und ward nie wieder gesehen…:D

Seit wir wieder aus Pujili zurückgekommen sind, hat uns leider eine ziemliche Motivationslosigkeit überfallen und die Vorfreude aufs Ende ist deutlich zu spüren. Somit freuen wir uns sehr auf die Rundreise mit Evas Eltern, die wir am Freitag starten werden. Dadurch bekommen wir mal für 3 Wochen etwas Abstand vom Projekt und dem uns langsam überdrüssig gewordenen Alltag. Wir hoffen, dann erholt wiederzukommen und mit wieder mehr Elan und Zuversicht in die letzten 6 Wochen hier starten zu können.

 

Nach gut zwei Monaten Alkoholentzug konnten wir vor 2 Wochen unseren Durst bei einem Kneipenbesuch mit Sprachlehrerin Vanessa und Sprachschülerin Lydia löschen. Wir quatschten über Gott und die Welt und hatten jede Menge Spaß, den Storys von Vanessas wilden Partynächten zu lauschen. Außerdem lud sie uns ein, vor Beginn der Rundreise das Wochenende bei ihr in Quito zu verbringen. Wir freuen uns schon, Gäste bei einer ihrer Partynächte zu sein und uns in Restaurants und von ihrer Mutter von leckerem Essen verwöhnen zu lassen.

Vor einiger Zeit kam Rafaels Frau Karina zu Besuch. Wir haben uns viel mit ihr über Land und Leute unterhalten und sie schilderte uns die zwischenmenschlichen Probleme die es hier in Ecuador aufgrund der ethnischen Vielfalt gibt und die auch hier im Projekt teilweise deutlich zu spüren sind. Sie konnte unsere Ansichten verstehen, da sie selbst lange Jahre in Deutschland gelebt hatte, trug aber auch dazu bei, dass wir Diego jetzt besser verstehen und akzeptieren können in seiner Art des Umgangs mit den Kindern. Außerdem lud sie uns ein, Silvester mit ihr und ihrer Familie in Guayaquil zu verbringen und mit ihr zu Salsa- und Reaggetonmusik feiern zu gehen. Damit wir dort dann nicht wie steife Bretter über die Tanzfläche stolpern, hat sie uns auch schon eine kleine Tanzstunde in Salsa gegeben.

 

Da das Essen hier ja nicht sehr vielseitig ist, hatte Rafael die Idee eine Woche lang vegetarisch zu kochen. Motiviert schrieben wir einen Speiseplan, wobei aber schnell klar wurde, dass wir wegen Geldmangel keine großartigen Gourmetspeisen zubereiten konnten. Die Köchin Luz beäugte unser Vorhaben skeptisch und schon am ersten Tag standen wir etwas ratlos vor dem Kochtopf, da wir keinen blassen Schimmer hatten, wie man denn überhaupt eine Tomatensuppe (ohne die Hilfe von Maggi, Knorr und co.) zubereitet. Die Suppe wurde etwas wässrig, schmeckte aber dennoch nach Tomate, der Milchreis bestand wie der Name schon sagt, aus Milch und Reis und damit man überhaupt satt wurde, knallte Luz noch 3 Töpfe Popcorn auf den Tisch. Sehr gelungen waren allerdings die Haferbratlinge am letzten Tag, kombiniert mit einem Gurkensalat an Sahne–Dill-Soße und einer Bechamelsoße a la casa de Rafael. Ob die Kinder es mochten konnten wir nicht genau feststellen, etwas skeptisch wurde auf dem Teller herumgestochert. Uns schmeckte es dafür umso besser aber das Projekt „Vegetarisch Kochen“ ist bis auf weiteres eingestellt.

  Unser Chef bei seiner Lieblingsbeschäftigung (am Geburtstag von Rafael und Luis)

Bereits am nächsten Tag wurden wir wieder mit einem Teller trockenen Reis bestraft, während die anderen genüsslich an ihren Hähnchenfüßen schmatzten.

Auf die nächsten Neuigkeiten müsst ihr leider wohl erst mal wieder gute 4 Wochen warten, dafür berichten wir dann ausführlich von den Erlebnissen unserer Rundreise.

Bis dahin senden wir euch liebe Grüße über den großen Teich ins kalte Deutschland.

Eva und Elena

P.S. Wir sitzen und schwitzen hier bei sicher 30°C im Schatten. Das nächste Gewitter ist allerdings schon im Anmarsch…

Freitag, 23.09.2011

Die neuesten Abenteuer!

Nein wir sind noch nicht von wilden Tieren gefressen worden, nein uns hat noch kein Ecuadorianer verschleppt und für alle die sich schon Sorgen gemacht haben: JA wir leben noch!

In den letzten Wochen hatten wir so viel zu tun, sodass wir nicht genug Zeit fanden, uns um unseren Blog zu kümmern. Sorry!
Unsere Befürchtung, dass wir nichts zu tun haben könnten, hat sich glücklicherweise nicht bestätigt, da wir nun in den festen Tagesablauf des Projektes eingebunden sind. Dieser sieht so aus: Während die Kinder schon um halb 7 frühstücken, stehen wir erst um 8 auf und genießen dann das etwas magere Frühstück. Danach, ab ca. 9, helfen wir Luz („Licht“), der Köchin, bei der Zubereitung des Mittag- und Abendessens. Da es bei beiden Mahlzeiten das Gleiche gibt, wird einfach eine größere Menge zubereitet. Nach 3 Stunden Zwiebeln und Möhren schnibbeln, Hühnchen auseinanderpflücken (ALLES, incl. Füße, wird verwendet!!) und Saft zubereiten haben wir bis zum Mittagessen „Freizeit“. In dieser Zeit waschen wir unsere Wäsche, gehen nach Sucúa einkaufen oder beantworten eure Emails. Außerdem haben wir vor etwa einer Woche angefangen ein Erdnussfeld anzulegen. Diego möchte gerne im Januar mit den Kindern für ein paar Tage ans Meer fahren, braucht dafür aber pro Kopf 100 Dollar. Die sollen die Kinder selber verdienen, indem sie etwas anbauen und es dann verkaufen. Bisher läuft da allerdings noch nicht so viel und so haben wir uns überlegt, mit dem Erdnussfeld auch unseren Beitrag zu leisten. Mal sehen ob das irgendwie was bringen wird. Also geht es dann nach der Hilfe in der Küche und einem zweiten kleinen Frühstück (bestehend aus Cornflakes oder Haferflocken mit Jogurt) mit Machete und Turban gegen die Sonne ins Gestrüpp. Unter der heißen Mittagssonne Ecuadors kämpfen wir uns durch Bambus und Schlingpflanzen bis hoffentlich bald ein Feld entstanden sind. Völlig erschöpft schleppen wir uns dann um 14 Uhr zum Mittagessen. Allerdings müssen wir zugeben, dass wir uns diese Knochenarbeit, die Blasen, Schnitte und Mückenstiche an den Händen erzeugt, nicht jeden Tag antun (werden).

   Harte Arbeit mit der Machete

Nach dem Mittagessen müssen die Kinder bis 16 Uhr auf dem Gelände arbeiten. Auch sie ziehen mit Macheten und Spaten los um Rasen zu mähen oder Bananen zu pflanzen. Wir sollen eigentlich den Mädchen helfen, aber wenn wir morgens schon die Machete geschwunfen haben, sind wir dafür eigentlich zu kaputt. Wir hoffen dann also, dass Diego nichts sagt und ziehen uns in unser Zimmer zurück.
Von 16 Uhr bis zum Abendessen (19.30) helfen wir den Kindern bei den Hausaufgaben. Nach dem Abendessen bleiben wir noch etwas im Gemeinschafts-/ Speisesaal sitzen und spielen mit einigen Jungs Maumau. Ein für uns eher langweiliges Spiel ist für die Jungs der Renner und so haben auch wir wieder unseren Spaß daran. Außerdem klimpern sie gerne auf Evas Ukulele herum, die, neben uns, sehr darunter leidet!

Die Wochenenden werden unterschiedlich gestaltet, doch auch Samstags müssen die Kinder arbeiten, wenn wir ihnen nicht einen freien Tag verschaffen, indem wir etwas mit ihnen machen. Zusammen mit Rafael überlegen wir uns Aktivitäten. An einem Samstag haben wir z.B. nach dem Frühstück ein Fußballturnier veranstaltet und sind danach zum Fluss gegangen. Diesmal haben auch Eva und ich uns in die kalten Fluten gestürzt und uns gegen die Strömung anschwimmend ans andere Ufer gekämpft. Dort sind wir mit den Jungs von Felsen gesprungen und haben uns dann ein Stück treiben lassen um wieder ans Ufer klettern zu können. Es machte sehr viel Spaß, vor allem auch weil die Kinder Spaß hatten, wurde aber auch recht schnell sehr kalt! Samstagsnachmittags haben die Kinder immer 2 Stunden lang Bibelunterricht und danach ist der Tag auch schon fast wieder vorbei…
Sonnstags geht es für alle, außer uns (!!), um 8 zum 4-stündigen „Gottesdienst“.

 

Leider mussten wir in den letzten Tagen verstärkt feststellen, dass Diego einen übertriebenen Kontrollfimmel hat. Er kann keine Aufgaben wirklich abgeben und muss über Alles Bescheid wissen und nachprüfen, was ihn für uns momentan sehr unsympathisch macht! Wir sollen uns zusammen mit Rafael um die Hausaufgaben kümmern um ihm Arbeit abzunehmen, aber trotzdem hat er immer noch etwas zu bemängeln. Das frustriert! Schließlich wollen wir hier eine produktive Zeit  verbringen und effektiv helfen, aber da er doch alles wieder kontrolliert haben wir das Gefühl, dass unsere Arbeit nicht geschätzt wird und er uns nicht vertraut bei dem was wir tun. Wir haben uns vorgenommen, ihn darauf anzusprechen und hoffen, dass danach die Aufgaben klarer verteilt sind und wir wissen, was wir dürfen und müssen und was von uns erwartet wird. Somit können wir es zur Zeit hier noch nicht so wirklich genießen, aber wir nehmen uns vor, auf jeden Fall das beste aus unserer Zeit hier zu machen und möglichst viel für uns mitzunehmen.
Vor allem möchten wir natürlich unser Spanisch verbessern! Unser Plan, auch untereinander möglichst viel Spanisch zu reden, ist bisher leider noch nicht aufgegangen, da wir uns komisch vorkommen würden. Noch haben wir die Hoffnung, dass sich das noch ändern wird…mal sehen! Wir wollen aber trotzdem noch mal ein bisschen die Vokabeln und Grammatik (vor allem Zeitformen) wiederholen, damit wir uns nicht nur im Präsens unterhalten können.

 

An einem Tag hatten wir uns überlegt für alle (35 Leute) Pizza zu backen. Am Tag vorher sind wir einkaufen gegangen, was sehr teuer war, und am Tag selber haben wir den ganzen Tag Gemüse geschnibbelt und Teig geknetet. Anstrengend aber sehr lohnend! Alle ließen es sich schmecken und freuten sich über die Abwechslung auf dem Speiseplan! Vor allem wir!!

 

Das letzte Wochenende war vollgepackt mit Action!

Wir hatten schon länger geplant, an diesem Wochenende mit Luiz zu seiner Finca in den Bergen zu fahren/wandern. Also ging es morgens zum Proviant-Einkauf nach Sucúa. Gerade als wir wiederkamen, passierte es: Es gab einen riesen Knall! In der Küche, in der ein paar von den Kindern das Mittagessen zubereiteten, explodierte der Dampfkochtopf. Durch den Druck zerbarsten die Fensterscheiben und der Topf durchschlug das Dach und kam duch ein zweites Loch wieder in die Küche zurückgeschossen. Wir hörten panisches Schreien der Kinder und dachten schon an das Schlimmste. Zum Glück war keiner ernsthaft verletzt. Nur einem der kleineren wurde das Handgelenk durch die herumfliegenden Scherben aufgeschlitzt und ein paar andere bekamen Brandblasen durch das herumspritzende Essen. Es wurde ein Krankenwagen gerufen und als der Kleine wieder da war, wurde er zum Beruhigen mit einer Tüte Chips vor den Fernseher verfrachtet. Uns allen steckte der Schock in den Knochen und als wir die Küche betraten, ähnelte der Anblick Bildern von Anschlägen. Alles war völlig verwüstet und dreckig und nach den ersten Schockminuten griffen alle nach Besen und Lappen und die Küche wurden wieder auf Vordermann gebracht. Luiz reparierte notdürftig das Dach mit Wellblech und der zerstörte Gasherd wurde nach draußen verfrachtet. Während danach alle zum Mittagessen nach Sucúa fuhren (der Herd und das Essen war ja unbrauchbar geworden) packten wir unser Gepäck für das Abenteuer. Um 14 Uhr kam das Taxi und wir fuhren ca. 20 Minuten über Schotterpisten, durch Schluchten und über Hängebrücken zur Comunidad Kumbaza, in der die Familie von Luiz lebt. Dort sammelten wir seinen Bruder ein und nachdem wir noch mal etwa 5 Minuten gefahren waren, stiegen wir aus und die Wanderung ging los. Ab da ging es 2 Stunden steil bergauf, immer einen super schlammigen Pfad entlang, den normalerweise die Kühe mitbenutzen und der deshalb so matschig war. Schnell stellten wir fest, dass wir uns besser doch Gummistiefel gekauft hätten. Evas Turnschuhe blieben gelegentlich im Schlamm stecken und von Elenas Wanderschuhen löste sich schon bald die Sohle und schlabberte an den Füßen herum. Erst ging es einen Hang hinauf aber schon bald tauchten wir in den Regenwald ein und waren umgeben von Schlingpflanzen und großblättrigen Palmen und hörten das zwitschern unterschiedlicher Vögel und das Zirpen von sicher 1000 Grillen. Ein tolles Feeling, was wir aber auf Grund der anstrengenden Wanderung nicht ganz so gut genießen konnten. Völlig durchgeschwitzt und vermatscht kamen wir dann endlich an der Finca an. Unter dieser Finca darf man sich aber kein Haus vorstellen, sondern mehr einen Bretterverschlag aus 4 Wänden mit Palmblättern als Dach. Es gab aber immerhin 2 „Räume“ und in der Mitte eine freie Fläche, auf der das Feuer zum kochen gemacht wurde. Nachdem wir uns etwas mit dem lutschen von Zuckerrohr gestärkt und Luiz Elenas Schuhe notdürftig mit Schnüren repariert hatte, ging es wieder in den Wald zurück, wo wir Essen sammeln gingen. Es wurden ein komplettes Büschel plátanos (Kochbananen) geerntet und „Kartoffeln“ und Yucá aus der Erde ausgegraben. Außerdem bekam jeder eine Kakaoschote und konnte die Bohnen innen abkauen. Es schmeckt etwas wie Litschi und ist recht glibberig. Die Bohnen sammelte Luiz dann ein, weil er sie im Projekt anpflanzen will. Armando ließ sich sogar hinreißen, eine lebene Made zu probieren…was Eva und ich NICHT taten!

Zurück an der Finca war es bereits recht dunkel. Es ging noch zum waschen an einen kleinen Bach und danach wurde das Abendessen zubereitet. Es gab Nudeln mit Tomatensoße (sehr sehr lecker!) und Yucá. Danach machten wir patacones, eine Art Pommes aus Kochbananen und zum Nachtisch gab es reife (gelbe) Bananen, die aufgeschlitzt, mit kakaopulver gefüllt und danach ins Feuer gelegt wurden. Alles sehr lecker! Bis 11 etwa saßen wir am wärmenden Feuer und genossen den Sternenhimmel über uns. Ziemlich müde legten wir uns danach schlafen, was eine sehr harte und ungemütliche Angelegenheit wurde. Das Bett, dass Luiz angekündigt hatte, bestand aus Holzbrettern, die auf den Boden gelegt wurden. Eva hatte sich zum Glück einen Schlafsack leihen können und musste daher nicht frieren wie Elena, die nur eine dünne Wolldecke hatte. Unter uns, zwischen Holzboden und Erde, feierten die ca. 20 Meerschweinchen eine Fete und die Nacht mit regelmäßigem Aufwachen wurde sehr lang. Um 7 etwa standen wir mit Katergefühl auf und versorgten uns mit Milch von einer der Kühe. Endlich hatten wir mal eine Tasse richtigen Kakao mit Milch und nicht verdünnt mit Wasser wie im Projekt. Dazu gab es Milchbrötchen mit Käse, Zuckerrohr und Bananen. Um uns herum lag der Wald in tiefstem Nebel verborgen und wir erlebten den richtigen Nebelwald, wie er hier auch genannt wird. Am Vormittag wollten wir eigentlich noch ein Stück wandern um besondere Vögel zu sehen, aber starker Regen machte uns einen Strich durch die Rechnung. Also saßen wir am Feuer, verwöhnten uns mit patacones und lasen oder legten uns zu einem Schläfchen noch mal ins „Bett“.

Gegen Mittag machten wir uns an den Abstieg. Zwar war der nicht so anstrengend wie der Abstieg, aber es wurde eine reine Rutschpartie, die durch teils recht heftigen Regen verstärkt wurde. Unten angekommen waren wir völlig durchnässt, eingesaut und durchgefroren bis auf die Knochen. In Kumbaza besuchten wir noch die Familie von Luiz und wurden super lieb mit heißer Suppe und einer Art Kartoffeln und Yucá empfangen. Trotzdem fror besonders Elena sehr und freute sich auf eine warme Dusche (auch zum wieder sauber werden) und danach ein warmes Bett. Als wir mit dem Taxi zurückgefahren waren mussten wir allerdings feststellen, dass es ausgerechnet heute kein Wasser, und somit auch keine heiße Dusche gab. Also mussten wir uns dreckig ins Bett legen und versuchen, auch ohne warme Dusche wieder aufzuwärmen. Leider konnten wir so das Wochenende vorerst nicht als gut gelungenes Abenteuer ansehen. Mit ein paar Tagen Abstand können wir jetzt allerdings sagen, dass wir sehr froh sind, dieses Wochenende mit allen Strapazen erlebt zu haben!! Ein tolles Abenteuer, das man einfach mal erlebt haben muss! Duschen konnten wir ja auch am nächsten Tag noch.

 

Heute (Donnerstag) haben wir uns dann mal aufgerafft und mit Diego gesprochen. Dies war sehr gut, da wir so die Spannungen die zwischen ihm und uns entstanden waren wieder lösen konnten. Wir wissen jetzt wirklich ganz genau was unsere Aufgaben sind und wann wir freie Zeit haben, die wir selbst so nutzen können wie wir wollen. Allerdings ändert dies nichts an seiner Pädagogik, die er bei den Kindern anwendet und von der er überzeugt ist, dass sie die Beste ist. Dies macht uns traurig und auch sauer. Heute fing Letycia an zu weinen, weil ich ihr nicht bei den Hausaufgaben helfen durfte. Das war die Strafe dafür, dass sie vorher die ganze Zeit gesagt hatte, dass sie nichts auf hat. Generell scheinen besonders die Kleinen teilweise auch echt Angst vor Diego zu haben, da er sie oft sehr stark anfährt und immer alles kontrollieren muss. Sie schauen dann auf den Boden und sagen nichts zu ihrer Verteidigung. Er meinte zu uns, er könne es verstehen, dass wir ein anderes System von Deutschland aus gewöhnt sind, aber „bei diesen Kindern“ käme man damit einfach zu nichts. Er hofft also, dass wir sein System akzeptieren und es ebenso anwenden. Das allerdings sehen wir nicht ein. Wir wollen nicht, dass die Kinder Angst vor uns haben! Wir verstehen uns ziemlich gut mit allen und das soll auch so bleiben. Wir sind etwas traurig, dass wir das nicht werden ändern können, da Diego in seiner Denkweise sehr eingefahren zu sein scheint, aber wir nehmen uns vor, nicht so zu werden wie er! In der Hoffnung, dass wir da dann nicht irgendwann wieder Stress mit ihm bekommen.
Aber wie gesagt, gibt es jetzt keine weiteren Uneinigkeiten mehr zwischen uns und so können wir die Zeit hier hoffentlich jetzt etwas besser genießen. Trotzdem müssen wir leider zugeben, dass wir uns schon jetzt freuen, wenn wir hier wieder abreisen. Auch das macht uns eigentlich traurig, da wir uns auf die Zeit hier gefreut hatten!! Wir hoffen einfach, an den unterschiedlichsten Problemen und Erlebnissen lernen und wachsen zu können!

 

Für morgen Abend (Freitag) ist eine kleine Talentshow geplant, bei der hoffentlich möglichst viele etwas vorführen werden. Wir beide wollen ein Lied, begleitet von Evas Ukulele, singen und hoffen, dass wir es noch schaffen, dass zweistimmig hinzubekommen. Außerdem soll nach der Talentshow dann noch ein Lagerfeuer mit Stockbrot gemacht werden. Armando wird am Sonntag abreisen und hat sich gewünscht, das Feuer zu machen.

 

Wer sich bis hierhin durchgeschlagen (durchgelesen) hat, RESPEKT! Wir hoffen, in Zukunft öfter und regelmäßiger schreiben zu können, damit es nicht jedes Mal ein solcher Roman wird.

P.S: Man kann die Bilder auch anklicken damit sie groesser werden!

Dienstag, 06.09.2011

Die erste Woche!

Nach mittlerweile einer Woche hier im Projekt haben wir uns ganz gut eingelebt. Es ist nicht mehr so schlimm wie am Anfang! Scheint also wirklich alles nur eine Frage der Zeit zu sein. Trotzdem hoffen wir, dass wir ab heute mehr zu tun haben, da wir in der letzten Woche doch recht viel mehr oder weniger untätig waren und wir ja dafür nicht hierher gekommen sind. Vermutlich werden bei „Langeweile“ die 4 Monate sehr schnell sehr lang und das wäre schade!
Die Spiele, die wir uns für jeden Tag ausgedacht hatten wurden meistens ziemlich gut aufgenommen und alle haben auch mit Spaß mitgespielt. Am Dienstag wurde die „Reise nach Jerusalem“ (El baile de las sillas) gespielt und danach eine Geschichte geschrieben in der 10, von uns vorgegebene Wörter vorkommen sollten. Am Mittwoch spielten wir Bingo und für Donnerstag waren wir das ganze Lexikon durchgegangen und hatten alle Wörter rausgeschrieben, die man entweder gut malen oder pantomimisch darstellen konnte, und so wurde eine vereinfachte Form von Activity gespielt. Eine ziemlich laute und chaotische Angelegenheit, aber alle hatten viel Spaß! Am Freitag wollten wir eigentlich Stopptanz spielen, aber da hatten die Kinder keine Lust zu und so haben wir wieder ein pantomimisches Spiel gemacht.

Insgesamt werden die Kinder auch immer offener. Sie kommen zwar noch nicht oft zu uns und quatschen mit uns aber ab und zu kommt es doch schon mal vor und vor allem lächeln sie uns immer nett an. Vermutlich wird das auch mit der Zeit noch besser werden, wenn unser Spanisch besser wird und sie auch das Gefühl haben, dass wir sie verstehen.
Vormittags sind wir zweimal nach Sucúa reingegangen und haben uns Trinkwasser und Salzcracker gekauft und uns somit gleichzeitig den Ort etwas angesehen. Es gibt einen zentralen Platz mit Flaggen, einem Brunnen und hübsch angelegten Beeten und ansonsten viele kleine Läden in denen man wirklich alles kaufen kann. Auch ein Mückennetz für übers Bett bekamen wir dort und jetzt schlafen wir wie in einem kleinen Zelt (auch wegen dem Prasseln des Regens auf dem Wellblechdach). Sehr romantisch! :D

  


Das Essen hier ist so eine Sache für sich. Es ist zwar ganz lecker und man kann sich nicht beschweren, aber es ist kein bisschen abwechslungsreich. Jede Mahlzeit besteht aus einer Suppe und danach gibt’s Reis kombiniert mit (dicken) Bohnen, Yucá, Mais, Kochbananen und ab und zu auch mal Möhren, Blumenkohl und Brokoli. Bisher ist das zwar noch ganz lecker aber wir sind mal gespannt, wie schnell uns das dann zum Hals raushängen wird. Yucá schmeckt entfernt ein kleines bisschen wir Kartoffeln aber lange nicht so gut. Viel trockener und geschmackloser. Und die Kochbananen sind auch schlimm. Hart und trocken und rutschen überhaupt nicht runter. Morgens gibt es auch Yucá, etwas anders gewürzt und mit nem Spiegelei, aber darauf haben wir jetzt schon, nach nur einer Woche, keine Lust mehr. Wahrscheinlich werden wir uns im Ort mal Müsli und Milch kaufen, damit es etwas Abwechslung gibt. Zum trinken gibt es morgens sehr dünnflüssigen Haferschleim oder wässrigen Kakao, mittags selbstgepressten Saft verdünnt mit Wasser und abends dünnen Tee mit Unmengen an Zucker. Dieses Essen scheint uns gegen Ende unserer ersten Woche hier ziemlich auf den Magen zu schlagen. Irgendwas scheinen wir nicht zu vertragen oder unser Körper muss sich halt dran gewöhnen. Hoffentlich geht auch das schnellstens wieder weg! Ein ziemlich beschissenes Gefühl!

Die Leute hier sind auch super religiös. In Sucúa scheint es recht viele freievangelische Kirchen zu geben, die wohl auch recht gut besucht sind. Auch hier die Leute hier im Projekt sind sehr religiös. Das fängt beim Beten vor jedem Essen an und hört bei regelmäßigen Kirchenbesuchen und Bibelstunden auf. Am Freitag hatte eine Kirche den 2. Geburtstag und der wurde groß gefeiert. Eine Gruppe von den Kindern sollte einen Tanz vorführen und so übten sie jeden Abend zu ihrem Musikstück, was von uns Freiwilligen „liebevoll“ zur Kategorie Christenrock gezählt wird. Wir wollten uns den großen Auftritt natürlich gerne anschauen und so fuhren wir mit zur Kirche. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Das ganze begann um 20 Uhr mit dem Begrüßen von jeder Menge Würdenträger, Pastoren und Brüdern/Schwestern (hermanos/hermanas). Danach wurden einige Tänze und Bands gezeigt und zum Schluss hielt ein ziemlich besessener Pastor aus Quito eine Predigt, die uns eher wie die Hetzrede eines Ideologen klang. Wieder einmal wurden wir also abgeschreckt uns noch einmal hier in eine Kirche zu wagen. Danach ging es zu einem Fastfoodimbiss und Diego spendierte Burger und Pommes.
 
Auf dem Weg zur Kirche                          Tanzvorführung



Am Samstagnachmittag ging es mit Sack und Pack zum Fluss. Das war ein Abenteuererlebnis! 30 Leute + ein bereits angezündeter Grill mit Hühnchen drauf + Essen für 30 Leute + ein Tisch wurden auf den kleinen, klapprigen Transporter geladen und auf einem eher unbefestigen Weg ging es eine Schlucht hinunter bis zum Fluss. Dort mussten wir noch über eine sehr schmale Hängebrücke aus Brettern fahren und dann waren wir da. Ein paar der Jungs sprang in den eiskalten Fluss und der Rest spielte Volleyball. Nach dem Essen (Picknick) ging es allerdings auch schon wieder zurück, da die Kinder nachmittags noch ihren Bibelunterricht hatten. Leider gibt’s vom Tag am Fluss keine Fotos, da wir die Kamera vergessen hatten. Aber es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir dort hin gefahren sind.

Abends sind wir dann doch noch mal mit in die Kirche gegangen. Es fand ein Treffen für Jugendliche statt, aber es war eigentlich wieder eine Diskussionsrunde, bei der es nicht viel zu diskutieren gab, weil sowieso alle die gleiche Meinung haben (müssen). Danach wurden 3 Gruppenspiele gespielt, die sehr lustig waren und bei denen wir alle viel Spaß hatten. Mit den älteren aus der Gruppe sind wir dann nach den Spielen noch unterwegs gewesen. Mit den Mopeds ging es zu Sofia und ihrem Bruder nach Hause und dort wurde Obstsalat mit Quark gemacht. Sehr lecker!! Bis halb 1 etwa haben wir im Wohnzimmer gesessen und gequatscht und viel gelacht. Alle sind sehr nett, zwischen 19 und 27 Jahre alt und da auch sie kein Englisch können waren wir natürlich gezwungen die ganze Zeit spanisch zu reden. Sehr gut!! Übung macht bekannterweise den Meister!

Am Sonntag haben wir lange geschlafen und daher das Frühstück verpasst. Mit Rafael (dem deutschen Sozialarbeiter der hier lebt) und Armando (Voluntär aus der Schweiz) sind wir nach Sucúa gegangen und haben erst beim Bäcker was gegessen und uns dann auf dem Markt leckere frische Mandarinen gekauft.
Mir (Elena) geht es auch heute noch ziemlich bescheiden. Mein Magen scheint sich noch immer nicht an das Essen (oder was sonst es ist) gewöhnt zu haben und ich habe Bauchschmerzen und mir ist schlecht. Ich hoffe, dass die Gewöhnungsphase schnell zuende ist und dieses miese Gefühl des krank Seins verschwindet und ich nichts ernstes habe!
Am Sonntag kam dann noch Christin (27, aus Deutschland). Sie kann überhaupt kein Spanisch und bekommt jetzt hier ihre ersten zwei Wochen Sprachunterricht. Ziemlich mutig, dass sie dann trotzdem hierher gekommen ist! Sie ist eine der wenigen, die wirklich lange hier bleibt. Im Projekt bleibt sie bis Ende Februar und wechselt dann noch für ein halbes Jahr in ein Partnerprojekt.
Gestern hat die Schule für die Kinder wieder angefangen. Nachmittags hat Rafael vorgeschlagen, dass jeder von uns Freiwilligen ein paar Schüler zu „Betreuung“ bekommt. Es sind in erster Linie die etwas schwächeren und die Neuen Schüler die mehr Hilfe und Unterstützung bekommen sollen. Somit sind meine „Patenkinder“ ab jetzt Javier, Dayana und Jhoana und Evas sind Robinson, Jenny und Jessica. Mal sehen wie das so funktioniert mit unserem noch nicht besonders guten Spanisch.

    
Luiz und Marvin                                          Fredi, Luiz und Jerson

   
Eva und Romina              Auf dem Wasserturm

Wir melden uns wieder, wenn es Neuigkeiten gibt!!
Bis dahin liebste Grüße aus Ecuador

Montag, 29.08.2011

Ankunft in Sucúa

Angekommen.
Nachdem der erste Anlauf schief gegangen war und wir eine Nacht mehr in Guayaquil verbringen mussten, konnten wir am Samstagmorgen endlich in den Bus nach Sucúa steigen. Zum Glück konnten wir mal wieder auf die verständnisvolle Hostess verlassen, die herausfand, dass der Bus am Tag vorher nicht in Guayaquil angekommen war und somit am nächsten Tag auch nicht von dort starten konnte. Wir bekamen für die Extranacht sogar unser Zimmer wieder und verbrachten den Tag mit Filme gucken und essen bei McDonalds.

Die Busfahrt war lang (12 Stunden) und anstrengen aufgrund von medialer Dauerberieselung durch schlechte Actionfilme und spanische "Karnevalsmusik". Außerdem hielt uns der "Schaffner" vermutlich für zwei totale Idioten (wie auch sonst quasi jeder Ecuadorianer) weil wir ihn so gut wie nicht verstanden...
Diego holte uns zusammen mit seiner kleinen Tochter Romina (4) in Macas ab und von dort ging es mit max. 30 km/h nach Sucúa. Erster positiver Eindruck: Diego spricht sehr deutlich und langsam mit uns und wir verstehen somit (fast) alles. Dieser erste positive Eindruck wurde jedoch leider überschattet von blanker Ernüchterung. Alles ist sehr einfach und dann auch noch heruntergekommen und eher dreckig. Das Haus besteht nur aus Brettern und einem vermoosten Wellblechdach und man hört somit ALLES! In der ersten Nacht wurden wir Zeugen des Walrossschnarchens von Diego...alles also sehr sehr gewöhnungsbedürftig und hoffentlich bald besser zu ertragen!!
Trotzdem sind die Leute nett aber noch recht schüchtern.
Am nächsten Morgen ging es um 8 (!) zur Kirche, die ein grobgemauertes, unverputztes Gebäude darstellt. Einen typischen Gottesdienst konnte man die 3-stündige "Veranstaltung" nicht nennen. Als erstes wurde in verschiedenen Altersgruppen eine Stunde lang über Bibelstellen philosophiert. Wir bekamen den Eindruck, dass es sicher eher um eine Missionierung der indigenen Bevölkerung handelt. Im Anschluss wurden ca. 30 Minuten mit Schlagzeug, E-Gitarre und Verstärkern die Kirchenlieder gerockt. Eine sehr lockere und fröhliche Atmosphäre, die danach jedoch sofort mit dem 1,5-stündigen, einschläfernden Gerede eines hochmotivierten Mannes verpuffte. Nie wieder Kirche! Zumindest vorerst nicht!
Nach dem Mittagessen ging es mit 20 Leuten in und auf dem Minitransporter à la Flüchtlingstransport zum Freibad in der Pampa. Wir stellten jedoch fest, dass die Mädchen nur mit zusätzlicher kurzer Hose badeten und so entschieden wir uns, dieses Mal aufs Schwimmen zu verzichten und spielten mit den älteren Jungs Volleyball. Danach spielten wir mit den 2-jährigen Kindern von Carmen, einer Mitarbeiterin.

Hier im Projekt leben ca. 30 Leute: Diego mit seiner Frau und 3 Kindern, Carmen mit ihren Zwillingen Luis und Marvin und die 20 Schüler (14 Jungs und 6 Mädchen) verschiedenen Alters.
Nach dem Abendessen wurden auch die Mädchen etwas offener und brachten uns ein paar Sätze in ihren Sprachen, Quechua und Shuar, bei. Sehr komplizierte, aber interessante Sprachen!! Über die Mitbringsel von Haribo fielen alle her wie die Hunde und in Nullkommanix waren die Tüten leer.

Heute bekamen wir auch unsere ersten Aufgaben: Die nächsten 5 Tage, sollen wir uns vreschiedene Aktivitäten und Spiele für die Kinder ausdenken, da noch Ferien sind und die Schule erst nächsten Montag anfängt. Für heute wurden wir gebeten, eine Geschichte vorzulesen und danach von dieser eine Zusammenfassung anfertigen zu lassen. Wir haben uns für die spanische Übersetzung (aus dem Internet!) von dem Märchen "Der Wolf und die sieben Geißlein" entschieden. Vorher wollen wir noch ein Kennenlernspiel spielen, damit wir eventuell schon ein paar mehr Namen lernen können. Es sind einfach zu viele um sie nach 2 Tagen schon zu können.

Immerwieder fragen wir uns, was wir hier eigentlich die nächsten 4 Monate machen sollen, da bisher das Heimweh noch sehr groß ist...hoffentlich legt sich das bald und wir können die Zeit hier genießen!

Bis zum nächsten Mal!!
(Dann wird es auch ein paar Bilder geben!)

Donnerstag, 25.08.2011

Erdbeben und bürokratische Feinarbeit

Gestern legten wir einen Marathon zwischen Hostel, Copyshop, Banken und der Einwanderungsbehoerde hin um unser Visum registrieren und unseren Pass stempeln zu lassen. Zum Glueck hatten wir Andrea, unsere supernette Hostess, die tapfer mit uns mindestens 6 Mal zu der "gutgelaunten" Beamtin am Schalter rannte. Waere sie nicht gewesen, waeren wir hoffnungslos verloren gewesen. Sie hat uebersetzt und ein Schreiben fuer uns aufgesetzt. Kein Ecuadorianer spricht halbwegs gut Englisch, ausser ihr! Um 4 konnten wir dann den Pass endlich wieder abholen aber damit war die Buerokratie noch lange nicht fertig. Danach besuchten wir einen Park, der fuer seine freilaufenden Echsen (keine Ahnung wie sie heissen) bekannt ist. Dort machten wir die erste Begegnung mit einem kleinen bettelnden Jungen, der uns Bonbons verkaufen wollte. Trotzdem ist uns die Armut noch nicht in ihrer extremsten Art begegnet.

Trotz der Affenhitze (sicher 30 Grad) laufen wir in langen Jeans, da wir nicht nochmehr Blicke auf uns ziehen wollen. Mit unserer weissen Haut und hellen Haaren fallen wir hier auf wie die bunten Hunde...
Mit dem Taxi ging es heute zum letzten Akt der Buerokratie in die "Policía de la Migración", wo wir wir unseren eigenen ecuadorianischen Ausweis ausgestellt bekamen. Dort lief es sehr provisorisch ab: Nachdem sich noch einige erfolgreich vor uns gedraengelt hatten, wurde schnell ein Foto vor einer fleckigen Leinwand gemacht und der Ausweis ganz simpel mit einem normalen Drucker gedruckt. Anschliessend wurde dieser mehr schlecht als recht mit einem Haarglaetteisen(!) von einer alten muerrischen Dame zusammengeschweisst. Waehrendessen schnibbelte sie noch unsauber die Kopie eines Ausweises aus und schweisste auch diesen "gekonnt" in irgendeine, zur Verfuegung stehende Plastikfolie ein. Das nennt man hier wohl "Buerokratische Feinarbeit."
Mit dem Bus ging es zurueck zum Hostel, wo wir Zeugen eines (kleinen) Erdbebens wurde. Erst dachte jede fuer sich, dass es sich wohl um einen hitzebedingten Schwindelanfall handelte, doch nachdem wir weiter wackelten warfen wir uns einen vielsagenden Blick zu und gerieten in Aufregung bei dem komischen Gefuehl des bebenden Bodens. Als wir uns beruhigt hatten, meldete sich der Hunger und es ging zum altbekannten McDonald, nachdem wir gestern eher schlechte Erfahrungen mit super gesalzten Palmenherzen und Hundehaufen aehnlichen Sojaschnitzeln gemacht hatten. Im Anschluss spazierten wir an der Uferpromenade entlang und genossen die Aussicht. An deren Ende stiegen wir die 444 Stufen zum Leuchtturm der Stadt hinauf. Es ging durch ein Viertel von bunten Haeuschen und gemuertlichen Gaesslein, die allerdings leider nur Fassade zu sein schienen. Durch einen Torbogen oeffnete sich der Blick in eine dreckige, schlammige, heruntergekommene Gasse, wo zerzauste Kinder im Dreck spielten. Das drueckte ein wenig auf die eigentlich romantische Stimmung.


Nachdem wir noch einmal durch die aelteste Strasse von Guayaquil schlenderten und uns an den Haeusern im Kolonialstil erfreuten, kamen wir um ca. 5 Uhr geschafft wieder im Hostel an. Dort erwartete uns die eher schlechte Botschaft, dass die Busfahrt nach Sucua stolze 12 Stunden dauert und die gute Botschaft, dass Diego uns in Macas (ca. 2 Stunden entfernt) empfangen moechte.

Kann eigentlich nichts mehr schief gehen, oder?

Die naechsten Neuigkeiten gibt es dann erst wieder aus Sucua.
Bis dann! :)

Dienstag, 23.08.2011

Pennernacht am Flughafen und Ankunft in Guayaquil

Hallo zusammen.

Endlich angekommen. Der Abflug in Frankfurt war etwas traurig, aber hey das gehoert ja irgendwie zu einem Abschied dazu. Voller Motivation wollten wir durch den Sicherheitscheck gehen, aber Elenas Wanderschuhe machten uns da einen Strich durch die Rechnung. Es haetten ja Drogen oder Waffen in den Sohlen stecken koennen. Haette ich doch mal besser Turnschuhe angezogen. Also ausziehen...
Der Flug nach Madrid verlief gut und die Ankunft am Terminal in der Pampa auch. Die 16 Stunden Aufenthalt verbrachten wir zur einen Haelfte wie Penner in einer Nische auf blankem Steinboden. Allerdings waren wir nicht die einzigen, da einige andere Jugendliche vom Weltjugendtag es sich auch auf dem Boden mit Isomatten und Schlafsaecken gemuetlich gemacht hatten. Uns war dieser Luxus vergoennt...

Wie die Penner
Nach 4 Stunden weniger erholsamen Schlafs, begaben wir uns in die City von Madrid und assen (hahaha) ein kleines Fruehstueck. Danach wurde noch etwa 1 1/2 Stunden in einem Park gechillt und dann unter Zeitdruck sich wieder auf den Weg zum Flughafen gemacht.
Dort angekommen dann die hektische Suche nach dem Terminal. Leider hatten wir uns mit der Zeit verschaetzt und darum hiess es: Beine in die Haende und los!!!! Nachdem wir  atemlos angekommen waren, draengelten wir uns gekonnt nach vorne und dann ging der lange Flug in Richtung Zielland endlich los.

Auf dem Flug gab es leckeres Essen (extra fuer uns auch ohne Reservierung, Vegetarisch) und eine grosse Auswahl an Filmen und so ging die Zeit wie im Flug (hahaha) vorbei.
In Guayaquil angekommen, machten wir die erste Erfahrung mit nicht englisch-sprachigen Flughafenpersonal, der uns in seinem viel zu schnellen Spanisch vornuschelte, wo wir unser Visum zu registrieren und unser "Censo" zu beantragen haetten. Die Sorge nach verloren gegangenem Gepaeck war unbegruendet, da unsere Rucksaecke vollstaendig auf dem Kofferband erschienen.
Draussen suchten wir uns ein Taxi, wobei schnell klar wurde, dass man nur mit Ellenbogen ein Platz ergattern kann. Der gute Mann laberte schon drauf los und das einzige was uns uebrig blieb war, ihm die Adresse vors Gesicht zu halten. Er erklaerte, dass es sich bei unserem Hostel nicht um ein Hotel handeln wuerde sondern nur um ein Hochhaus, aber dass, es trotzdem dort "muy bien" waere. Die Fahrt verlief rasant und laut, bis wir nach einigen Minuten an einer Strasse hielten und er wirklich auf ein Hochhaus zeigte und uns zu verstehen gab, dass das unser Hostel war. Nachdem auch unsere Rucksaecke aus dem klapprigen Kofferraum gehievt wurden, bezahlten wir dem Taxifahrer seine 7 $ (was schon in Ordnung ist, man hatte uns vorgewarnt, dass die Taxis uns mehr als 10$ abzocken wuerden), standen wir vor einer geschlossenen Gittertuer und Passanten glotzten uns ein wenig belustigt an. Schliesslich fanden wir eine Klingel und nach ein paar Minuten kam ein junger Mann um uns aufzuschliessen.
Das "Hostel" ist mehr oder weniger eine grosse Wohnung im 7. Stock. Es gibt einen netten Aufenthaltsraum und 4 Zimmer. Alles ist sauber, es kriechen keine Kakerlakenkolonien durch die Gegend und die Betten sind weich. Sobald wir also im Zimmer waren, liessen wir uns wie die Saecke auf die Betten fallen. Eine Entdeckung gab es trotzdem. Es gab zwar Klopapier (ja, Mama!) aber dieses soll nach Benutzung in den Muelleimer geworfen werden. Nun gut, andere Laender, andere Sitten.
Nach erfolglosen Versuchen mit WLAN zu verbinden, gaben wir uns geschlagen und nahmen den zur Verfuegung stehenden PC in Anspruch. Nach geschaetzten 500 Stunden auf den Beinen, gingen wir dann auch mal zu Bett, nach deutscher Zeit immerhin schon halb 5 morgens!
Es war seltsam nicht im eigenen Bett aufzuwachen und der Morgen empfing uns mit wolkenverhangenem,trostlosem Himmel und so machte sich schnell eine Heimwehattacke (bei Elena) bemerkbar... Nach einer Dusche und einem kargen aber leckeren Fruehstueck ging es besser und Andrea, die sehr freundliche Hostess, erklaerte uns sehr ausfuehrlich  wo es was zu sehen gibt und wo wir den Visakram erledigen koennen. Ausserdem hat sie uns angeboten mit zu besagtem Ministerium zu gehen und die Dolmetscherin zu spielen.

 

Gerade fragen wir uns, warum wir eigentlich 3 Tage hier bleiben, weil es wohl nicht allzu viel zu sehen gibt, aber wir werden uns schon ein paar schoene Tage machen...!!

Jetzt wird sich also  ins Grossstadtgetuemmel geschmissen...
Liebste Gruesse in die Ferne!

Evi und Eleni

Sonntag, 14.08.2011

Eine Jeans, 2 T-shirts und 21 Unterhosen

Joooooooooooooooo.